Jul 1

»Sie hatte einfach keinen Geschmack.«

um 17:21 Uhr | Kategorie: Filme | Autor: (SH) | Andere Beiträge von (SH) | drucken

a_boy_and_his_dog.jpgEs grenzt schon an ein kleines Wunder, dass dieser Endzeitfilm, der George Miller als Inspirationsquelle für Mad Max gedient haben soll, nicht nur endlich auf DVD erhältlich ist, sondern auch noch pünktlich für die Vorrecherche zu einem Artikel über “50 Jahre Atomkrieg im Film”, den ich für epd schreibe, bei mir im Briefkasten lag.

Erzählt wird die Geschichte eines “Jungen” namens Vic (gespielt vom jungen aber eben nicht “Jungen” Don Johnson) und seinem sprechenden Hund, die in der Nachatomkriegs-Wüstenei ständig auf der Suche nach Essen und Frauen (für Vic) sind. Während ihrer Odyssee lehrt der Hund dem Vic die jüngere Geschichte und erschnüffelt Frauen. Sie geraten an eine Schönheit, die sich allzu bereitwillig hingibt und Vic in eine Unterwelt lockt, in der sich eine christofaschistische Gesellschaft aufgebaut hat. Vic soll dort als Besamungsmaschine den Genpool erneuern, was ihn zunächst freut – bis er herausbekommt, dass das mit der “Maschine” wörtlich gemeint ist. Er schafft es zu entkommen und führt seine Geliebte pünktlich zum Abendessen zurück an die Oberfläche.

Ein überaus bitterer und böser Film ist das, der den Zerfall der Zivilisation vielleicht besser beschreibt, als alle anderen Endzeitfilme. Der Zerfall der Moral wird nicht etwa durch unmoralisches Handeln verdeutlicht; Moralität ist als Luxusphänomen schlicht abwesend in der Welt von 2024. Während sich auf der Erdoberfläche Menschenrudel gegenseitig die letzten Ressourcen (vor allem in den zur Wüste gewordenen Städten vergrabene Lebensmittelkonserven) streitig machen, hat in der Unterwelt eine alptraumhaft bizarre Übersteigerung des Puritanismus die Zügel in der Hand. Es lässt sich also nirgendwo leben aber überall trefflich sterben. Wen wundert es da, dass das scheinbar Gute (Vic) sich schnell als bloß “gute Willkürlichkeit” und Opportunismus entpuppt.

Interessant ist übrigens die Geschichte, die der Verleihtitel hatte:

  • Der Junge mit dem Hund
  • In der Gewalt der Unterirdischen
  • Apocalypse 2024
  • Psycho Boy and his Killer Dog
  • Mad Don

… alles irgendwie niedlich – aber keineswegs abwegig.

3 comments

3 Comments so far

  1. [...] (Auch erschienen im Postapocalypse-Blog) [...]

  2. (CFH) August 19th, 2008 10:13

    Wow, kannte den Film vorher nicht. Ein Hund, der dem “Jungen” das Weltwissen weitergibt, das er vor dem Krieg gesammelt hat – eine sehr schöne Idee. Natürlich kann nur der Junge den Hund verstehen…
    Der Wechsel in die Unterstadt mit ihren maskenhaften Bewohnern ist natürlich ein enormer Bruch in der Mitte des Films, das Sujet wechselt hier quasi schlagartig und erinnert an Filme wie “Futureworld” u. ä.
    Das Ende (in Stefans Titel angedeutet …) ist natürlich mehr als lakonisch – sehr sehenswert!

  3. [...] “gesunde Frauen” zu finden, um das Überleben der Rasse zu sichern. Ähnlich wie in “A boy and his dog” spielt also männliche Lust, vor allem aber auch das Überleben der Rasse Mensch eine wichtige [...]

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