Eine alte Frau erklärt in Konec srpna v Hotelu Ozon (aka The End of August at the Hotel Ozone) (Tschecheslowakei 1967, Regie: Jan Schmidt) einem “Rudel” junger Frauen, das sie durch die menschenleere Welt (an)führt, wann die Menschheit ausgerottet wurde, wann die letzten Menschen verschwanden – indem sie auf die Jahresringe eines Baumstumpfes deutet.
Wenn Dominik wieder mehr Zeit hat, muss er dringend mal was zum Thema “Jahresringe” posten, da diese nicht nur in “Vertigo” eine Rolle spielen (dort ebenfalls als Vergangenheitsbezug, als Erinnerungsmechanismus), sondern auch in La Jetée, wo der Protagonist auf einen Punkt außerhalb des Baumstammes deutet und sagt, dass er dort geboren sei (d. h. er kommt aus der Zukunft).
Der Film thematisiert die Beziehung zwischen der alten Frau, die als “Rudelführerin” die jungen Frauen, die im Gegensatz zu ihr keine gesellschaftlichen Zwänge und (moralischen) Gesetze mehr zu kennen scheinen. Sie treffen auf den vermutlich letzten verbliebenen Mann, der das Hotel Ozone bewohnt – nachdem allerdings die Anführerin stirbt, bricht Anarchie in der Gruppe aus, der Mann wird durch eine Art Raubmord getötet. Vorher erkennt er und spricht auch aus, dass die Frauen sich wie Tiere benehmen, die nun nicht mehr gebändigt werden – eine schöne Abwandlung des “Homo homini lupus”-Themas (Hobbes). Die jungen Frauen ziehen weiter, als gesetzlose Nomaden.


Danke für den Hinweis mit den Jahresringen! Der Film ist bei mir schon seit einer ganzen Weile auf der “demnächst-unbedingt-mal-anschauen”-Liste, kam aber bisher noch nicht dazu. Jetzt werde ich wohl nicht mehr drumrum kommen…
Ich werde hier auf jeden Fall bald mal was zu La Jetée schreiben.. Überhaupt würde ich gerne was zu postapokalyptischer Ikonografie im Kunstfilm (wenn man das denn so nennen möchte) machen. Oder zu Zeitlichket und Reversibilität der Apokalypse – etwa den Versuch, aus einer postapokalyptischen Ära in die Zeit davor einzugreifen, um die Katastrophe rückwirkend ungeschehen zu machen (Terminator, 12 Monkeys etc.)