Voriges Jahr erschien im Sauerländer-Verlag (Patmos) ein Jugendbuch, das mit einem postapokalyptischen Szenario von der Sorte “Epidemie” aufwarten kann. Die Bezeichnung für den Virus: EBS, das ist die Abkürzung für “Erosion of Basic Substance”, welches bewirkt, dass der ganze Körper auseinanderfällt. Die Hauptfigur Mojmir Demeter ist Halbwaise, seine Spezialität sind Saucen (tatsächlich, denn er macht eine Ausbildung als Koch) und hat sich in die tschechischen Berge zurückgezogen, wo er eine alte Dame besucht. Und obwohl es schon vorher Anzeigen einer Epidemie gibt, werden deren katastrophalen Ausmaße erst greifbar, als er sich schon bei Omi Kalomi in den Bergen befindet. Während er sich in der abgeschiedenen Lage ihrer Pflege widmet, wütet in Europa eine Seuche, der Junge bleibt aber mit seinen Freunden in der Stadt per Handy in Verbindung.
Zwar handelt es sich um ein Endzeit-Szenario, der Text kommt aber in einer flüssigen Sprache und der richtigen Portion Witz daher. Einschübe und Spekulationen wie jene, dass die Seuche sich vielleicht mit Bananen aufhalten lasse, wirken auf den ersten Blick zwar etwas befremdlich und bemüht komisch, ergeben aber auf metaphorischer Ebene durchaus Sinn – denn was gegen diverse Krankheiten helfen soll und beworben wird, ist gegen marktwirtschaftliche und geschäftspolitische Interessen meist nicht immun.
Letztendlich ist das Setting gut geeignet, die (nicht nur für Jugendliche relevanten) Themen rund um Freundschaft und Liebe abzuhandeln. Die große Verzweiflung bleibt demnach aus. Und dass Mojmir schließlich eine der wenigen Überlebenden kennenlernt, ist ja von anderen postapokalyptischen Szenarien bereits bekannt und fast schon ein wenig vorhersehbar.
