Archiv vom August, 2008

Wolfzeit

Datum: 27. August 2008 | Kategorie: Filme

Wolfzeit (Le Temps de Loup, F/Ö/D 2003, Michael Haneke) (DVD)

Immer dann, wenn Haneke nicht jeden seiner Gedanken bis ins Letzte Detail ausformuliert, sondern in Andeutungen bleibt, wächst er über sich selbst hinaus. “Wolfzeit” ist sicherlich seit “Das Schloss” das beste Werk des filmenden Österreicher Medienkritikers.

Denn in gekonnt inszenierter (oder besser allusionierter) Endzeitstimmung erzählt er die Geschichte vom Niedergang einer Famiile und einer Kultur. Er konzentriert sich dabei ganz auf Mikrokosmen: die Kleinfamilie, die Zweierbeziehung, die Introspektion. Immer dann, wenn das Große, das Allgemeine, die Außenwelt Thema in “Wolfzeit” wird, macht sich Unübersichtlichkeit breit, wird Erzählung durch Verwirrung ersetzt.

“Wolfzeit” erinnert daher auch mehr an Filme wie Tarkovskijs “Stalker” oder (mehr noch) Rollins “Pesticide” – beides ebenfalls hervorragende Variationen des Weltuntergangsthemas. Ihnen gleich ist auch “Wolfzeit” ein stiller Film: keine Filmmusik (wo in “Stalker” und “Pesticide” noch minimalistische Klänge “Stille verbreiteten”). Auch in den Farben: Wie bei Rollin und Tarkovskij glaubt man hinterher, einen Schwarzweißfilm gesehen zu haben. So sehr hat sich die lebendige Welt aus dem Film zurück gezogen.

Die Figuren müssen in ihrer Motivation notwendig angedeutet bleiben. Was Haneke schon immer zur Desorientierung des Zuschauers eingesetzt hat (vgl. vor allem seine “Vergletscherungs-Tetralogie”), dient in Filmen wie “Wer war Edgar Allen?”, “Das Schloss” oder nun “Wolfzeit” dazu, die Menschen mit der ins Zweidimensionale geschrumpften Umwelt zu verschmelzen. Hanekes Figuren kommen immer irgendwie aus “der Stadt”, die für Leben und Wärme steht und verlieren sich immer in der Einöde, deren Entropie ihre Energie vollständig aufzehrt.

“Wolfzeit” ist ein Film, der wie kaum ein anderer Tristesse, Angst und Hoffnungslosigkeit zu einem Motiv der Bewegung (durch den Raum und durch die Handlung des Films) forciert. “Wolfzeit” ist vielleicht der Endzeitflm, der in Wenders’ unsäglich zähem “Der Stand der Dinge” hätte gedreht werden sollen – der Film, den ich immer schon lieber gesehen hätte als Wenders Backstage-Langweiler.

Meine Kritik bei F.LM | Zuerst erschienen im Simulationsraum

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Tief im Schweizer Bunkerberg

Datum: 26. August 2008 | Kategorie: Bunker/Prävention

Berichte über Atombunker haben aus irgendwelchen Gründen derzeit Konjunktur. Heute findet sich auf Spiegel Online einer über einen Schweizer Atombunker:

Von Michael Soukup, Kandersteg

Im Falle eines Atomkriegs würde die Schweizer Regierung in den Berg flüchten – in einen Bunker in den Berner Alpen. Die Position dieser “Führungsanlage K20″ war lange so geheim, dass Journalisten darüber nicht schreiben durften. SPIEGEL ONLINE hat sie auch so gefunden.

mehr: SpOn

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Zeig diesen Film, und wir nehmen Dein Kino auseinander …

Datum: 21. August 2008 | Kategorie: Allgemein

Kaum mehr vorzustellen, dass Die Rote Flut (USA 1984, John Milius) (DVD) anno 1984 soviel Aufruhr erzeugt hat: Es war das einzige Mal, dass ich erlebt habe, dass ein Film so schnell aus den Kinos verschwand, weil einige Randgruppen den Film politisch inkorrekt fanden und Kinos, die ihn vorführten, als sanktionierenswert betrachteten (und zwar im Sinne von Randale…). Tatsächlich konnte ein Film damals kaum antisowjetischer sein, zeigt er doch die Invasion der UdSSR und ihrer Verbündeten in die USA – und nur eine kleine Gruppe Jugendlicher setzt sich zur Wehr. Wie Stefan Höltgen schon berichtet hatte, fällt das Fehlen moderner Kriegstechnik im gesamten Film auf – dies wird auch im Film aufgegriffen: Kein Land will die Erde atomar verwüsten, es geht um “saubere” Landnahme. Zum einen referiert der Film damit indirekt auf das Einsteinsche Diktum, dass der vierte Weltkrieg wieder mit der Keule gekämpft würde – das Fehlen der Atombombe ist der augenmerkliche Hinweis auf den Kalten Krieg und die atomare Bedrohung, zumindest im damaligen Kontext. Zum anderen ist der Film auch direkt postapokalyptisch, allerdings nur in der Binnenerzählung. Der Pilot Andrew erzählt der Gruppe, dass die Menschen in Denver seit Monaten eingekesselt sind sich gegenseitig auffressen und erwähnt beiläufig die dezimierte Zahl von 600.000 Millionen Chinesen.

 

Diese nette Werbeanzeige hat mir Dieter Michelbach vermacht, sie stammt aus der Filmillustrierten 1/1985.  
Privatime Grüße an Daniel T., dem ich “Wolverines!” zurufe. ;)

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Nach dem Ernstfall: Presented by Google Maps …

Datum: 20. August 2008 | Kategorie: Simulation

Michael Nagenborg hat mich heute auf eine nette Webseite hingewiesen, die u. a. verschiedene Atomkraftunfallszenarien mittels Google Maps räumlich darstellt bzw. auf einfachste Weise “simuliert”.
Noch eindrücklicher ist eine offensichtlich gehackte bzw. modifizierte Version von Google Maps, die verschiedene Atomangriffsszenarien auf amerikanische Großstädte – durch den Benutzer variierbar! – simulierbar macht. Der “High Yield Detonation Effects”-Simulator erlaubt nicht nur die Einstellung des genauen Einschlagsortes der Bombe, sondern auch deren Größe in Kilotonnen. 
Wirklich “spielerisch” zu bedienen sind alle Beispiele nicht, aber im Gegensatz zu DEFCON ist das Ganze weniger abstrakt und im Falle bestimmter Atomkraftwerke und Städte sogar sehr realistisch und bedrohlich.

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»Bodies hanging limp, no longer bleeding«

Datum: 19. August 2008 | Kategorie: Filme

The Earth dies screaming (UK 1964, Terence Fisher) (DVD)

Eine Stunde Postapocalypse im Gewand des 60er-Invasions-Science-Fiction: Ein kleiner Ort irgendwo in den USA. Alle Menschen fallen mirnichtsdirnichts um und sind tot. Alle? Nein, ein kleiner Haufen Verwegener verschanzt sich in einer Kneipe und beobachtet, dass sich draußen Roboter (u. li.) herumtreiben, die mittels Elektrizität Menschen in seelenlose Zombies verwandeln. Jeder, der von ihnen erwischt wird, stirbt, nur um kurze Zeit später aufzuerstehen und mit weißen Augen (u. re.) umher zu stampfen und seine Mitmenschen zu attackieren. In der Gruppe der Eingeschlossenen entwickeln sich bald Konflikte und einer von ihnen kidnappt eine Frau und flieht mit ihr nach Norden. Die anderen versuchen ebenfalls zu fliehen, werden aber von Robotern und Zombies daran gehindert. Irgendwann brechen dann zwei Todesmutige von ihnen auf, um der Invasion auf dem Grund zu gehen: Ganz in der Nähe entdecken sie einen Sendemasten, der da vorher nicht war. Sie sprengen ihn und die Roboter fallen alle um. Ende.

Wie eine Vorstudie zu “Night of the Living Dead” wirkt Hammer-Fishers Alien-Film. Postapokalyptisch ist er in dem Maße, wie darüber gesprochen wird, dass wohl die ganze Menschheit der Invasion der Elektro-Roboter zum Opfer gefallen ist. Man schmiedet Pläne wieder wieder zu reinstallieren (die Menschen, nicht die Roboter – eine schwangere Frau ist bereits dabei) und weitere Überlebende mit dem Flugzeug zu suchen. Die Roboter erinnern stark an Menschen in Strahlenschutzanzügen – und ihre Köpfe sehen ein bisschen wie altmodische Vakuumröhren aus. Auch keine seltene Anspielung im Invasion-SF. Der Titel will übrigens so gar nicht zum Film passen. Niemand schreit … da muss wohl die PR Vater des Gedankens gewesen sein. Macht nix, UB40 hat dann ja was draus gemacht:

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“Wir brauchen frisches Essen, frisches Wasser und gesunde Frauen!”

Datum: 19. August 2008 | Kategorie: Allgemein

Was passiert, wenn man einen Freund im Media Markt mit den Worten herausfordert: “Du findest hier bestimmt keinen Postapo-Film, den ich nicht schon besitze”? … klar, er findet “Nuclear War” aka “Desert Warrior” (USA 1988, Jim Goldman) (DVD)
Beginnt der Film im Stile von Mad Max 3 (mit einer ganz ganz kleinen Donnerkuppel), stehen in der Folge immer öfter (dümmliche) Gefechte zwischen den beiden überlebenden Parteien des dritten Weltkriegs, den Drohnen und den Nomaden, auf dem Programm. Der Protagonist, gespielt von Lou Ferrigno, ist zu Beginn ein Gefolgsmann des Nomadenherrschers, dessen Ziel es ist, neben Nahrung und Wasser auch “gesunde Frauen” zu finden, um das Überleben der Rasse zu sichern. Ähnlich wie in “A boy and his dog” spielt also männliche Lust, vor allem aber auch das Überleben der Rasse Mensch eine wichtige Rolle. Erstaunlich ist nicht, dass sich der Held in eine der gesunden Drohnenfrauen (!) verliebt, sondern dass am Ende sowohl die Strahlenkrankheit geheilt werden kann, wie auch die ungesunden Strukturen der beiden verfeindeten Gesellschaften. Dadurch können sich die beiden Parteien wieder anfreunden, der Fortpflanzungsdruck sinkt und das frisch gebackene Paar kann dem Sonnenuntergang entgegengehen… für eine genderorientierte Lesart sehr zu empfehlen!

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Das erste Opfer der Apocalypse…

Datum: 16. August 2008 | Kategorie: Comics,Computer- und Videospiele,Filme

…scheint “Lady Liberty” zu sein. Wie Gerry Canavan anhand von interessantem Bildmaterial zeigt, gehört eine zerstörte Freiheitsstatue zum festen Inventar postapokylptischer Bilder.

Canavan hat übrigens auch bei Culture Monkey einen lesenswerten Artikel verfasst, der der Frage nachgeht, welchen Reiz postapokalyptische Szenarien auf uns ausüben.

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You and your family must take cover at once!

Datum: 16. August 2008 | Kategorie: Bunker/Prävention,Dokumente und Geschichte

In “Two Tribes” von Frankie goes to Hollywood werden Samples der britischen TV-Dokumentation “Protect and Survive” (einfach mal durchklicken) verwendet. Der Sprecher, Patrick Allen, war seinerzeit “die Stimme der Warnung” und so gut wie allen Briten bekannt (und das obwohl er ja z.B. in Filmen von Alfred Hitchcock mitgespielt hat). Insgesamt muss das Leben in England zu dieser Zeit bestimmt gewesen sein vom Bewusstsein, jederzeit Opfer eines Atomschlags zu werden, schaut man sich einmal die Fülle an öffentlich zugänglichen Materialien an, die damals kursierten.

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Living in a Fallout Shelter

Datum: 16. August 2008 | Kategorie: Bunker/Prävention,Dokumente und Geschichte

Die Menge an Dokumentarfilmen und Anleitungen aus dem 1950er und 1960er Jahren, die den Zivilisten auf den Ernstfall vorbereiten sollten, ist lang. Allein, was sich bei archive.org findet, reicht schon, um sich ein Wochenende davorzusetzen. Filtert man bei YouTube einmal nach “Bunker” oder “Shelter”, stößt man auf nicht weniger Clips (von ernst gemeinte Werbeclips bis hin zu Bunkerbau-Persiflagen). Besonders ausführlich und interessant nimmt sich die irgendwann in den 1950er Jahren entstenande Dokufiktion “Living in an Fallout Shelter” des Themas an:

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Call for Filmgespräch

Datum: 14. August 2008 | Kategorie: Filme,Filmgespräche

Wie im Forum schon angemerkt, habe ich nun endlich Wizards in der ultrararen deutschen DVD-Fassung ersteigert (dt. “Die Welt in 10 Millionen Jahren”, danke nochmal an Dominik, dass er damals rausgefunden hat, welchen Film ich denn meinte …). Da bietet sich doch ein Filmgespräch an, wie wir es schon für Right at your door gemacht haben.

Interesse, anybody?

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