Nicht-Darstellung von Katastrophen

Hans Krah kann in “Weltuntergangsszenarien und Zukunftsentwürfe” unter anderem so gelesen werden, dass eine Unbestimmheit der Katastrophe mit der Möglichkeit einer metaphorischen Lesart derselben einhergeht.
Sprich: Je vager eine Katastrophe dargestellt wird, desto eher wird die Auseinandersetzung mit den Gründen und Ursachen obsolet – dazu wäre die Darstellung zuwenig konkret. Das lässt Raum für eine metaphorische Deutung des Weltuntergangs.

Ein vergleichbares “Nicht-genau-Bescheid-Wissen” stellt sich bei der Frage nach den Gründen für das Überleben der ProtagonistInnen. Eine solche Differenzierung habe wenig Sinn (Krah S. 92), wobei ein deutlicher Unterschied zwischen globaler und lokaler Katastrophe zu konstatieren ist (letztere kann meist mit einer genauen Beschreibung der Umstände und der Gründe aufwarten).

Würde man nun soweit gehen, diese Erkenntnisse auch zeitlich zu situieren? D.h. in einer Zeitspanne, in der wenige Romane/Filme erschienen, die aufgrund der Vagheit der Katastrophendarstellung metaphorisch gelesen werden könnten, auf das – außermediale und gesellschafliche – Bedürfnis verweisen, Gründe und Verantwortliche von Katastrophen konkret zu benennen?

Oder wäre das allzu weit hergeholt :-) ?
Spannende Frage, wie ich meine, weil sie direkt an die Verbindungen von medialem Output und gesellschaftlichen Determinanten rührt.

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2 Responses to Nicht-Darstellung von Katastrophen

  1. (CFH) says:

    Schöner Literatur-Hinweis! “Die Straße” beispielsweise verhandelt gar nicht, wie es zur Postapokalypse kam, sondern lässt das offen – trotzdem habe ich bei dem Beispiel das Gefühlt, dass die Aufmerksamkeit auf das Menschliche, u. a. ethische Fragen, gelenkt wird, und der Leser weniger darüber nachdenkt, wie es dazu kommen konnte. Anders scheint mir das bei den klassischen Ein-Mensch-bleibt-übrig-Szenarien zu sein: Hier liegt ja gerade die Spannung darin, herauszufinden, wo der Rest der Menschheit geblieben ist. Fast in allen Szenarien steht dabei aber ein Ort für viele Orte – selten kann sich der Leser/Zuschauer der Globalität der Postapokalypse versichern. Vielleicht sollte man einfach mal Begriffe/Begriffspaare dafür finden, mit denen wir dann besser operieren können?


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    (JS) says:

    Gerade bei “The Road” sind ja die Strategien der Verundeutigung recht interessant, z.B. in der Bezeichnung der Personen (der Mann, der Junge,…), was ebenfalls von einer lokalen Katastrophe mit konkreten Betroffenen oder einem konkreten Zeitraum ablenkt. Ich bin nicht sicher, ob es bei den Ein-Mann-Szenarien grundsätzlich anders ist. Stimme dir zu, dass das ein treibendes Moment dieser Szenarien ist: Herauszufinden, was denn passiert ist. Dennoch suggeriert mir das “Die Straße” auch, indem ja alleine durch die Vorwärtsbewegung auf einer Linie suggeriert wird, dass es ein bestimmtes Ziel gibt (das vielleicht mit weiteren Informationen aufwarten könnte). Ist aber vielleicht LeserInnenspezifisch auch :)

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