Archiv vom September, 2008

Das Zeitalter der Bombe II

Datum: 26. September 2008 | Kategorie: Allgemein, Texte

Dass wir von diesem sprechen können, liegt einzig und allein daran, dass alles so geblieben ist, wie es seit eher war. Denn das technische Konstrukt wurde nie für den Zweck verwendet, für den es entwickelt worden war.

So Michael Salewski in Vorwort zu “Das Zeitalter der Bombe. Die Geschichte einer atomaren Bedrohung von Hiroshim abis heute”.

Für diejenigen, die noch nicht darüber gestolpert sind, ein kurzer Abriss aus dem Inhalt:

Zum einen wird angesprochen, wie das Konstrukt Bombe auch die Bedeutung von Wörtern verdreht hat und das Denken fundamental verändert hat. Dass es sich hierbei mehr um ein Abschreckungs- als ein Kriegsführungsmittel handelt, wird im Kontext der politischen Unangreifbarkeit ganzer Systeme deutlich. (und im Buch anhand von drei Szenarien beschrieben.)

Dem Autor geht es darum, über die Bombe nachzudenken, denn eine Bilanz über das atomare Zeitalter sei noch nicht zu ziehen. (obwohl ökonomische und ökologische Folgen angeschnitten werden). Interessant sind meines Erachtens nach Kapitel III und IV, die sich mit Strategien des Nuklearzeitalters und dem “Leben mit der Bombe” bzw. einer Ethik des Atomzeitalters beschäftigen.

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Die heißesten Momente des Kalten Krieges

Datum: 22. September 2008 | Kategorie: Allgemein

Morgen Abend sendet das ZDF in der Reihe ZDF History eine dreiviertelstündige Dokumentation über die Geschichte des Kalten Krieges.

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Die Welt ohne uns

Datum: 20. September 2008 | Kategorie: Computer- und Videospiele, Filme, Texte

Vorhin lief eine “Dokumentation” darüber, was passieren würde, wenn der Mensch aussterben würde und die Erde sich selbst überlassen wäre. Anscheinend ist nicht nur der Blick auf eine prähistorische Welt (noch ohne Neanderthaler) massenkompatibel, sondern auch Visionen der in Zukunft vom Menschen verlassenen oder “befreiten” Erde. Als Beispiel der Doku diente das verlassene Gebiet um Tschernobyl, das eine umgreifende mediale Anziehungskraft auszuüben scheint (S.T.A.L.K.E.R- und Call of Duty 4-Spieler wissen, was ich meine). Das hat mich daran erinnert, dass Weismans “Die Welt ohne uns” leider erst nächstes Jahr als Taschenbuch in Deutschland erscheint, solange behelfen wir uns mit dem Original:

“They began approaching within a year. Chernobyl’s birds disappeared in the firestorm when Reactor number Four blew that April, their nest building barely begun. Until it detonated, Chernobyl was almost halfway to becoming the biggest nuclear complex on Earth, with a dozen onemegawatt reactors. Then, one night in 1986, a collision of operator and design mistakes achieved a kind of critical mass of human error. The explosion, although not nuclear—only one building was damaged — broadcast the innards of a nuclear reactor over the landscape and into the sky, amid an immense cloud of radioactive steam from the evaporated coolant. To Russian and Ukrainian scientists that week, frantically sampling to track radioactive plumes through the soil and aquifers, the silence of a birdless world was unnerving.
But the following spring the birds were back, and they’ve stayed. To watch barn swallows zip naked around the carcass of the hot reactor is discombobulating, especially when you are swaddled in layers of wool and hooded canvas coveralls to block alpha particles, with a surgical cap and mask to keep plutonium dust from your hair and lungs. You want them to fly away, fast and far. At the same time, it’s mesmerizing that they’re here. It seems so normal, as if apocalypse has turned out to be not so bad after
all. The worst happens, and life still goes on.” (Alan Weisman: The World Without Us, New York 2007, p. 214)

Passenderweise läuft gerade Wall-E (USA 2008, Andrew Stanton) in den Kinos an, in dem ein Roboter auf der von Menschen verlassenen (weil zugemüllten) Erde Abenteuer erlebt …

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Der Tag nach dem Ende

Datum: 13. September 2008 | Kategorie: Filmgespräche

Kehren wir von der Westküste und Los Angeles an die Ostküste der USA, nach New York zurück. Hier spielen nicht wenige Endzeitfilme, so auch Sergio Martinos „Fireflash“, der im Original den Titel „2019 – Dopo la caduta di New York“ trägt.
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Raid over Moscow

Datum: 8. September 2008 | Kategorie: Filme

Fail-Safe (USA 1964, Sidney Lumet) (DVD)

Das wahrscheinliche Szenario für den Beginn eines Atomkrieges basiert auf der Annahme, dass irgendwo ein Fehler auftritt, der die Maschinerie in Gang setzt, die niemand mehr stoppen kann. Filme wie “War Games” haben den Finger spürbar in die Wunde der elektronischen Raketenverwaltung gelegt. Der frühe Vorgänger von “War Games” ist Sidney Lumets überaus spannender Atomkriegs-Thriller “Fail-Safe”.

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Die letzten sieben Tage

Datum: 8. September 2008 | Kategorie: Texte

Den Text habe ich als kleiner Junge mal in einem Hotel in Franken (ich glaube eingerahmt in einem Bild in der Empfangshalle) gelesen. Mir ist er zuletzt immer wieder mal in den Sinn gekommen und ich wollte ihn hier posten:

Die letzten sieben Tage (von Jörg Zink)

Reichlich religionskitischtig, aber ein ganz gutes Beispiel dafür, wie postnukleare Eschatologie der 1980er Jahre ausgesehen hat.

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Gestern war heute morgen

Datum: 7. September 2008 | Kategorie: Dokumente und Geschichte, Simulation

Alle Science Fiction ist immer auch fictional Science, denn die zukünftigen Entwürfe sind Prolongationen bekannter Zustände. Anders wären Utopien nicht verstehbar oder bedürften eines sehr komplex beschriebenen Regelwerks (vgl. die Enzyklopädien zu Frank Herberts “Dune”-Zyklus). Worauf ich aber hinaus will ist, dass sich Wissenschaft nicht nur abstrakt durch Beschreibung von Gesetzmäßigkeiten, sondern auch konkret in Form von utopischen Entwüfen zu einem guten Teil prospektiv verhält und Beschreibungen für die Zukunft anbietet. Es gibt sogar einen interdisziplinären Bereich, der sich mit der wissenschaftlichen “Beschreibbarkeit” von Zukunft beschäftigt. Und genau aus diesem Bereich habe ich heute ein Buch im “Bonner Bücherschrank” ergattert:

Herman Kahn/Anthony J. Wiener
Ihr werdet es erleben.
Voraussagen der Wissenschaft bis zum Jahr 2000
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1971 (1967)
Info | Amazon

Zu den vielen Entwürfen für das, was die Autoren die “Standardwelt” nennen, gehören auch zahlreiche Sozialutopien – eine davon nennt sich: “Einige Möglichkeiten für den Ausbruch eines Atomkrieges” und entwickelt Szenarien, die bis zum Jahr 2000 zu einem thermonuklearen Krieg führen – nebst deren Wahrscheinlichkeits-Einschätzung. Sehr interessant für unseren Zusammenhang ist das Unterkapitel “Einige Nachkriegsentwürfe”, das die “Standardwelt” nach dem Ende eines begrenzten oder weltweiten Atomkriegs skizziert. Sogar die Schwierigkeiten, solche Szenarien realistisch zu gestalten, werden von den Autoren thematisiert: Man “kann sich des Gefühls nicht erwehren, daß eine Situation, in der es schwierig ist, Atomkriegsentwürfe zu schreiben viel zufriedenstellender und tröstlicher ist als eine, in der überzeugende Szenarien verfaßt werden können.” (310)

Eine sehr interessante These stellen die Autoren gleich zu Beginn des Kapitels über die Notwendigkeit eines solchen postapokalyptischen Entwurfs an: “Darauf zu bestehen, daß jeder Atomkrieg unvermeidlich die totale Vernichtung nach sich ziehe, könnte selbst eine Form der Weigerung sein, sich weiter mit realistischen Einschätzungen eines Atomkrieges, seinen Entstehungs- und Verhütungsmöglichkeiten zu befassen.” (S. 308 FN)

Wir hier im Blog arbeiten also genau an der richtigen Sache. :)

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Postapocalypse im TV

Datum: 7. September 2008 | Kategorie: Fernsehserien

Fernsehserien erweisen sich immer wieder als gute Seismographen des Zeitgeistes (vgl. dazu etwa: Harald Martenstein, Das hat Folgen. Deutschland und seine Fernsehserien, Leipzig 1996, eine Geistes- und Kulturgeschichte der Bundesrepublik am Leitfaden ihrer Kultserien). Der Umstand, dass im US-amerikanischen und im britischen Fernsehen Serien gestartet sind, die ihre Handlung in ein gemäßigt postapokalyptisches Szenario verlegen, spricht dafür, dass das Thema “Postapokalypse” einfach an der Zeit ist:

Die TV-Serie Jericho (hierzulande von Pro7 ausgestrahlt und unterdessen auf DVD veröffentlicht) erzählt die Geschichte der titelgebenden Kleinstadt nach einem Atomschlag gegen die USA. Zentrale Themen: Politische Reorganisation (die USA zerfallen in mehrere sich autonom gebende Regionen mit je eigenem Präsidenten) und das Allzumenschliche, das sich in dieser Ausnahmesituation wieder Bahn bricht.

Die von der BBC ausgestrahlte Serie Spooks: Code 9 spielt in einem Großbritannien, das unter dem Trauma eines Atomschlags gegen London leidet; im Unterschied zu Jericho nutzt die Serie das Setting aber nur als Hintergrund für relativ banale Mantel- und Degen-Stories im Spionage-Milieu.

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Schwarzmagische Kanäle

Datum: 5. September 2008 | Kategorie: Filme

The Signal (USA 2007, Regie: David Bruckner/Dan Bush/Jacob Gentry) (DVD) ist wieder einmal ein Grenzfall: Ähnlich wie in vielen Zombiefilmen löst ein Ereignis aus, dass die Menschen sich verändern und gegenseitig umbringen – allerdings ist es hier mal kein Virus, der zu postapokalyptischen Zuständen führt. Wie der Titel schon verrät, sind es die Medien, die auf einmal seltsame Signale senden und die Menschen, die in deren Bann geraten, charakterlich stark verändern. Diese werden nicht zu seelenlosen, stummen Zombies, sondern können noch durchaus logisch argumentieren, warum sie töten – z. B. weil sie sich (in der eskalierenden Situation: zurecht) von allen Seiten bedroht fühlen. Leider insgesamt etwas verworren und nicht stringent genug inszeniert, gewinnt die stark an Stephen Kings Roman “Puls” erinnernde Geschichte ihren Reiz dadurch, dass die ausgesprochene Medienkritik immer wieder ironisch gebrochen wird. So ist es am Ende nicht klar, wer “logisch denkend” und wer “verrückt” ist, bzw. wer “beeinflusst” und wer “normal” ist. Insgesamt ist das Ganze als Charakterstudie im Kleinen interessant (das Ganze spielt meist in Innenräumen mit kleiner Besetzung), ist aber genauso gut als Kandidat für die Untersuchung komischer Gewaltdarstellung.

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Ersatzobjekte

Datum: 4. September 2008 | Kategorie: Filme

Der letzte Kampf (Le Dernier combat, F 1983, Luc Besson) (DVD)

Da ist er, der Luc-Besson-Film, der mir gefällt! Sein Erstlingswerk ist formal wie inhaltlich hoch interessant:

Nach dem Dritten Weltkrieg haben die wenigen Überlebenden ihre Sprache verloren und leben nun verstreut in den (im Wortsinne) verwüsteten Städten. Unser Held bastelt an einer Flugmaschine, die er in Betrieb nimmt, als seine Sexpuppe ein Loch bekommt, wo er es nicht haben will, ihr die Luft und ihm die Lust ausgeht. Eine richtige Frau muss her. Er landet in einer ruinierten Stadt, wo seit einiger Zeit ein Vandale (Jean Reno in der ersten Rolle, in der er mir gefällt) damit beschäftigt ist, einen Arzt, der sich in einem Krankenhaus verschanzt hat, herauszulocken. Wie durch ein Wunder überlebt der Held das Zusammentreffen mit dem Vandalen und wird vom Arzt im Krankenhaus gesund gepflegt. Doch noch jemand drittes ist im Gebäude: Der Arzt hält eine Frau gefangen, die er täglich füttert. Als der Vandale es schließlich schafft, in das Gebäude einzudringen, ist sie sein erstes (Mord/Vergewaltigungs)Opfer, der Arzt sein zweites. Der Held tötet den Vandalen und flieht mit seinem Flieger. Zurück in seiner eigenen Wüste mischt er eine Horde Vagabunden auf, tötet deren Anführer und bekommt dafür dessen Gespielin.

Es ist auffällig, dass die Ressource “Frau” im postapokalyptischen Film so häufig Gegenstand der Erzählung ist. Das war schon bei “Mad Max 2″ so, findet sich in “A Boy and his Dog” und im zuletzt gesehenen “Fireflash” ist es sogar das zentrale Thema. In “Le Dernier combat” wird die Mann-sucht-Frau-Erzählung dazu genutzt, einen Plot zu entwickeln, der derartig basal (ich will nicht sagen: monomythologisch) ist, dass er ohne Dialoge auskommt. Wenn nach dem Krieg jedes weitere Wort überflüssig ist (das monierte ja schon der Prolog-Erzähler in “Mad Max 2″: “Sie redeten und redeten …”), dann müssen halt die Körper sprechen. Und das tun sie gerade in den Action-Dystopie-Hybriden besonders eindrücklich.

(zuerst erschienen in SimulationsRaum)

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