Sonne, Mond und Sterne

…sind überlebenswichtig. In “Der Tag, an dem die Sonne verschwand” von Jürgen Domian, seines Zeichens Radiomoderator der späteren Stunde, sind die Himmelskörper nicht mehr zu sehen und vielleicht sogar verschwunden. Denn einer sommerlichen Hitzeperiode (in diesem Zusammenhang wäre es durchaus einmal interessant, ein Kalendarium apokalyptischer Katastrophen nach deren Eintritt aufzustellen) folgt eine – ziemlich bewegungseinschränkende – Schneelandschaft, und nach und nach auch schwarzer Nebel und damit unweigerlich die Dunkelheit.

Um es vorwegzunehmen (Spoilergefahr herrscht nicht, da die Katastrophe, soweit sie greifbar wird, ohnehin auf den ersten Seiten beschrieben wird): auch hier verschwinden Menschen und Tiere spurlos. Und zumindest die erste Hälfte des Romans kommt ganz ohne ein menschliches Gegenüber aus. Zwischenzeitlich hat dieser letzte Mensch nicht nur mit Schneemassen und seiner Versorgung, sondern auch mit einem unerklärlichen, plötzlich auftretenden Lärm zu tun, der sich grundlos und ebenso unerklärlich wieder verflüchtigt.

Auffallend an der Konzeption von Domians Roman ist die – oftmals ein wenig ausgereizte – “Moral des Endes”: Dass Hier und Jetzt wertzuschätzen und aus den eigenen Fehlern zu lernen. Die Passagen, in denen der Protagonist von seinem Bezug zum anderen Geschlecht (das übrigens in der Hauptfigur Lorenz keine große Identifikationsfigur finden dürfte) sowie seinen sexuellen Erlebnissen berichtet, erwecken oft den Eindruck zwangshafter Originalität. Manchmal scheinen sie auch fehl am Platz und stehen dem durch das Katastrophenszenario dominierten Spannungsfluss entgegen. Später zeigt sich jedoch, dass auch sie zur Charakterisierung der Hauptfigur und deren persönlichen Veränderungen nach der Katastrophe beitragen sollen. Denn Lorenz tritt über sein früheres Ich hinaus und kommt u.a. zu einigen zwischenmenschlichen Erkenntnissen:

Man kann immer wieder neu beginnen: So habe ich es noch nie gesehen.” (S. 172)

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3 Responses to Sonne, Mond und Sterne

  1. (SH) says:

    Erinnert mich ganz am Rande an folgenden Genre-Hybrid:

    Das zweite Großkapitel seines Buches “Der gefrorene Stern” mit dem Titel “Schwarze Löcher” beginnt der der Astrophysiker George Greenstein mit einer Kurzgeschichte. Er beschreibt, wie die Sonne ihr Feuer verliert, erst zu einem weißen Zwerg einschrumpft und dabei sehr viel Energie abgibt, dann zu einem roten Riesen explodiert und so das halbe Sonnensystem verschluckt.

    Interessant ist, dass Greenstein dies aus der Perspektive jemandes erzählt, der einen Tag am Strand verbringt und beobachtet, wie alles um ihn herum verbrannt und zerstört wird. Dann – nachdem die Biosphäre zu Asche geworden ist – wechselt er auf eine auktoriale Ebene und erzählt, was weiter mit der Erde geschieht bis aus der Sonne ein schwarzes Loch geworden ist: Die Meere verdampfen, die Atmosphäre verbrennt, …

    Greenstein gibt zu, dass sowohl die Paradigmen seiner Erzählung SF sind (der Sonne fehlt die Masse um zum schwarzen Loch zu werden) als auch, dass er einen Prozess, der viel Jahrtausende dauern würde innerhalb weniger Stunden/Tage ablaufen lässt.

    Ich habe das Buch vor Jahren ganz gelesen, kann mich aber nur noch an diese Stelle erinnern. Wer dieses SF-Konzept weiter genießen möchte, dem empfehle ich “Fritz Leibers Kurzgeschichte “Ein Eimer Luft”.


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    (JS) says:

    Es ist auch generell interessant, inwieweit “Feuer und Eis” metaphorische Konstanten in postapokalyptischen Szenarien zu sein scheinen. Drückt wohl auch in unbestimmten Ursachen die Nähe zur Naturkatastrophe und deren Gewalten aus.

    Danke auch für den Tipp.

  3. (CR) says:

    Domian schreibt? Kein Wunder, wenn sexuelle Themen drin vorkommen.

    Zum Glück haben doch die Leute von “Sunshine” die Sonnenkraft neu entfacht. Sex im Hellen ist also wieder möglich.

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