Wie schon einmal berichtet, spaltete Shyamalans The Happening (USA 2008, M. Night Shyamalan) (DVD), der jetzt auf DVD erschienen ist, die Zuschauer in diejenigen, die ihn gar nicht erst anschauen, und diejenigen, die das Kino fluchtartig verlassen haben – nun habe ich mir nochmal den “Director’s Cut” angeschaut, der, soweit ich das sehen konnte, lediglich einige Sekunden länger ist.
Der Film, der anfangs “The Green Effect” heißen sollte, referiert gleich zu Beginn auf ökologische Probleme und das mögliche Aussterben der Menschheit (Ungleichgewicht der Natur, Gobale Erwärmung usw.). Hier verschwindet aber noch nicht die Menschheit, sondern die Subtilität, die die meisten Fans von Shyamalan immer gepriesen hatten. Eine zu Beginn unbekannte neurotoxische Substanz bringt die Menschen dazu, sich selbst zu ermorden – wie sich später herausstellt, ist es die Natur, die sich rächt und die Menschen in den Massensuizid treibt. Als zu Beginn des Films den Protagonisten noch nicht klar ist, ob es sich um Terrorismus handelt, wird der Massensuizid als “Attack” gewertet, und zwar als das “Böseste, was je erfunden wurde”.
Die von Shyamalan zum Overacting angetriebenen Akteure flüchten ausgerechnet aufs Land, was oberflächlich betrachtet genau falsch ist. Tatsächlich kommen hier aber auch diejenigen zu Tode, die sich extra von der Zivilisation abgekoppelt hatten – scheinbar treibt die Natur diejenigen in den Tod, die Hass oder andere schlechte Gefühle in sich tragen, egal ob aus der Großstadt oder vom Lande. Der Wind, der Felder, Gras usw. bewegt ist dabei die Darstellung des Undarstellbaren, was ganz stimmungsvoll, aber keineswegs bedrohlich wirkt – ebenso wie die Dialoge wirkt die Flucht vor ein wenig Wind in den meisten Fällen hohl (man vergleiche dazu Stalker!) und lächerlich. Kaum überraschend überleben am Ende die kinderfreundlichen Vegetarier, was aber nicht viel bringt, zeigt das Ende doch, wie der Massensuizid in Paris weitergeht.
Nach kurzer Erholung werde ich mich auch dem Bonusmaterial widmen (was ich ja sonst ungern tue), um herauszufinden, ob Shyamalan das Overacting so gewollt hat (oder ob zuviel Wind die Akteure verwirrt hat). Vielleicht ist es ja der “Film, der über unseren Verstand hinausgeht”. Für Dominik, der den Film mit mir im Kino überlebt hat, noch unser Lieblingsframe:


Schade, dass der Film nicht so gut umgesetzt wurde. Der Screenshot sieht nämlich ganz verheißungsvoll aus. Die Story wirkt etwas hanebüchen, aber ist vom Thema her “Natur rächt sich” auch nicht neu. Werd mir das Elend aber dennoch mal anschauen. Vielleicht sind wenigstens die Selbstmordszenen abschreckend dramatisch.
Warum rausfinden wollen, ob Shyamalan das “Overacting” wollte? Wenn man soweit ist, sucht man doch eh danach, dass er es nicht wollte, um es dem Film letztendlich vorzuwerfen
Entweder hat der eigentümliche Schauspielstil in der filmischen Gesamtstruktur seinen Platz/seine Funktion oder eben nicht.
Um auch einmal ein paar Gegenstimmen zum mittlerweile recht verbrauchten Happening-Schlecht-Finden bereitzustellen: http://www.filmforen.de/index.php?showtopic=13286