Jan 20

Das Leben nach dem Menschen

um 18:02 Uhr | Kategorie: Dokumente und Geschichte,Filme,Simulation,Texte | Autor: (CFH) | Andere Beiträge von (CFH) | drucken

Nachdem ich schon kurz auf die günstige englischsprachige Version von Alan Weismans The World Without us verwiesen hatte, liegt nun auch die deutsche Taschenbuchausgabe vor. Nicht nur Grund, nochmal genauer hinzuschauen, sondern auch Gelegenheit, das Buch in Verbindung mit einer netten Dokumentation zu bringen, die der History Channel unter dem Titel Life after People gezeigt hat (einige Episoden sind online anschaubar).
Weisman stellt die Frage, wie die Natur reagieren würde, wenn der Mensch plötzlich verschwände – wobei er offen lässt, welches der angerissenen menschlichen Vergehen (Umweltverschmutzung, atomare Bedrohung usw.) dazu führen soll. „An dem Tag, an dem die Menschheit verschwindet, beginnt die Natur augenblicklich mit dem Hausputz. Sie putzt unsere Häuser vom Antlitz der Erde. Alle werden sie verschwinden.“ (Weisman, S. 21) Es folgen hunderte Seiten, auf denen zum einen die Säuberung der Erde von den Resten der menschlichen Verschmutzung beschrieben wird, zum anderen folgen Exkurse in die Zeit vor dem Menschen. Einzig erstaunlich ist die Feststellung, dass von der Zivilisation tatsächlich nur wenige Dinge dauerhaft überleben werden, darunter Bronzestatuen, d. h. auch so große wie die Freiheitsstatue (selbst wenn sie im Hafenbecken liegen sollte, wovon Weisman ausgeht). (Weisman, S. 51) Am Ende des Buches findet sich eine schöne Übersicht, die zeigt, was nach einigen Tagen, Jahren, Jahrhunderten und Millionen Jahren nach dem Menschen mit der Erde passiert – diese Übersicht gibt es auch online.
Die Fernsehdoku Life after People ist wesentlich gestraffter, fokussiert jedoch genau die “Untergänge der Zivilisation”, die Weisman ausspart – und das ausgerechnet mit Tricktechnik, die ruhig mehr hätte kosten dürfen. Inhaltlich jedoch kommt die Doku eher auf den Punkt. Jede Generation hat ihre eigenen Geschichten des Armageddon – aber jetzt könnte die Menschheit ihre Vernichtung wirklich selber hervorrufen. Ganz konkret wir beschrieben, wie die Energieversorgung zusammenbricht, wie Haustiere teilweise zu Millionen überleben würden, um sich fortan vom Zivilisationsmüll und von den Toten zu ernähren. Auch hier wird die Rückkehr der Flora in die Großstädte beschrieben, Bauwerke zerfallen, Feuersbrünste und andere Naturkräfte und Katastrophen können vom Menschen ungehindert geschehen.
Besonders eindrücklich sind die Bilder Prpjats, einer Stadt nahe Tschernobyls, an der – mehr als 20 Jahre nach dem Reaktorunfall und der Evakuierung der Stadt – genau die Verfallserscheinungen erkennbar und nachweisbar sind. Wie Weisman setzt die Fernsehdoku also auch auf den “Im Kleinen ist es schon passiert, hier könnt Ihr es schon sehen”-Effekt.
Angerissen wird auch das Gedankenexperiment, wer den Verfall archäologisch beobachten sollte, wenn die Menschheit ausgestorben sein wird – in diesem Zusammenhang wird auch erwähnt, dass unsere modernen Archive unglaublich schnell zerfallen, besonders CDs und Papier sind sehr anfällig. Die Doku nennt auch einen innovativen Grund des Aussterbens des Menschen: Müll! (und damit sind wir wieder beim ursprünglichen Eintrag zu Weisman und dem Querverweis zu Wall-E, der alsbald auf DVD erscheint).

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