Wall-E (USA 2008, Regie: Andrew Stanton), der nun auf DVD und Blu-ray erscheint, startet mit dem Blick auf die menschenverlassene, vollgemüllte Erde. Seltsame Hochhäuser türmen sich in die Höhe, später erkennt man: Das sind Mülltürme, die der drollige Held Wall-E aufgetürmt hat, um die Erde wieder wohnlich zu machen.
Die Menschheit ist in den Weltraum geflüchtet, die Menschen tauchen allerdings erst im letzten Drittel des Films auf. Wall-E ist nicht nur das letzte verbliebene Aufräumkommando auf der Erde, sondern zugleich begeisterter Artefaktsammler der ausgewanderten menschlichen Kultur. Sein bis dato einziger Freund ist eine Kakerlake, die offensichtlich unzerstörbar ist – eine kleine Anspielung darauf, dass die Kakerlaken im Gegensatz zu den Menschen einen thermonuklearen Krieg überstehen würden.
Als Wall-E zufällig die einzige Pflanze findet, die unter Müll neu gedeihen konnte, nimmt die Handlung einen neuen Lauf: Die von der exodierten Menschheit ausgesandte Roboterdame Eve (!) ist nicht nur das Liebesobjekt Wall-Es, sondern zugleich die Botschafterin für die Menschen, dass nun die Neubesiedelung der Erde möglich ist, da dort wieder Photosynthese stattfinden kann. Eve ist quasi die Gebärmutter neuen Lebens auf der Erde, sie trägt die einzige Pflanze in ihrem “Bauch”.
Die “Realität” der in den Weltraum geflüchteten Menschen sieht allerdings auf komische Weise düster aus: Da die Menschen seit 700 Jahren im All leben und von Robotern und virtueller Realität zum Passivsein verdammt sind, sind sie verdammt dick und unselbständig geworden – ein großer Seitenhieb auf die Dekadenz der Internetkultur der Jetztzeit.
Die mögliche Rekolonisierung der Erde soll aber von Seiten der Roboter sabotiert werden – hier schlägt der Film die erstaunliche Richtung ein, sich gegen Automatisierung, Virtualisierung, Uneigentlichkeit, Robotisierung im entmenschlichten Sinne zu wenden – relativ komisch ist dabei, dass ausgerechnet die abweichlerischen Roboter Wall-E und Eve (und damit der Menschheit!) helfen, die als nicht-funktionierend in die “Roboter-Psychiatrie” eingeliefert wurden.
Der überraschende Leitsatz der neu motivierten Menschen, die schlussendlich zur Erde zurückkehren, ist “Leben statt Überleben” – die Bedeutung von Heimat und Sorge um die Erde wird hier so interpretiert, dass das “Echte” und “Gute” eben nicht das “Bequeme” und “Scheinbare” sein kann und darf.
Evolution, so deutet eine Persiflage der legendären Szene aus 2001 an, ist das Ausschalten der Technik, wenn es um den Menschen geht.



