Mrz 8
The stockpile of things… Survivors (BBC, 1975)
Im Rahmen der Recherchen für einen Aufsatz über postapokalyptische Fiktionen aus Großbritannien, an dem Christian und ich gerade gemeinsam arbeiten, habe ich mir in der letzten Woche die erste Staffel von Terry Nations Survivors angeschaut: Nachdem die neuere US-Serie Jericho (siehe Christians Ausführungen dazu) ja ziemlich enttäuschend war, hatte ich keine allzu hohen Erwartungen mehr an eine postapokalyptische Serie, war dann aber doch sehr positiv überrascht.

Dafür, dass die Serie bereits 1975 produziert wurde, ist es recht erstaunlich, dass hier nicht (wie damals üblich) ein Atomkrieg die Menschheit dezimiert, sondern ein mutiertes Grippevirus. Etwa 99% der Erdbevölkerung sterben innerhalb von wenigen Tagen, die wenigen Überlebenden ziehen auf der Suche nach Nahrung mehr oder weniger ziellos und alleine durch die Gegend. Obwohl die Infrastruktur noch praktisch komplett vorhanden ist, lässt sie sich nicht mehr nutzen, Strom gibt es nur noch in Batterien und Öl bzw. Benzin wird schnell zum wichtigsten Tauschmittel.
Mit der Zeit bilden sich verschiedene Zweckgemeinschaften aus: manche versuchen, Recht und Ordnung wiederherzustellen (was natürlich wenig demokratisch abläuft), andere ziehen nach wie vor als Nomaden durch die Gegend und ernähren sich von dem, was von der untergegangenen Zivilisation noch übrig ist (also vor allem Konservendosen) und wieder andere versuchen sich als Farmer selbst zu versorgen. Zu letzterer Gruppe gehören auch die drei Protagonisten der ersten Staffel, die sich ansonsten vor allem durch häufige Personalwechsel auszeichnet.

Sonderlich politisch korrekt ist das Ganze natürlich nicht, überlebt haben scheinbar grundsätzlich nur weiße Engländer aus der Mittelschicht, was in der Aktualisierung des Stoffs (ebenfalls BBC, 2008) natürlich geändert wurde: die Figuren Al und Najid wurden offensichtlich einzig aus diesem Grund eingebaut. Dieses Remake, von dem ich bisher erst eine Folge sehen konnte, ist zwar multikultureller, ansonsten aber in jeder Hinsicht langweiliger, in einem Interview sprach der Autor Adrian Hodges allen Ernstes davon, dass er sich im Gegensatz zum Original stärker auf die Elemente der Hoffnung und der Menschlichkeit im Angesicht des Untergangs konzentriert hätte, um die Serie „less depressing to watch” zu machen.

Dabei ist es gerade dieser – trotz aller Gemütlichkeit auf der Farm der Überlebenden – düstere Ton, der die ursprüngliche Serie interessant macht. Immer wieder müssen moralisch höchst schwierige Entscheidungen getroffen werden, im Gegensatz etwa zu Jericho findet sich dabei aber keineswegs stets eine „richtige” Lösung: Als auf der Farm z.B. ein brutaler Mord passiert, stehen die Bewohner vor der Frage, wie sie mit dem vermeintlich überführten Täter (einem geistig zurückgebliebenen Mann) umgehen sollen. Sie entscheiden sich schließlich für die Todesstrafe, die auch tatsächlich vollstreckt wird. Als dann kurz darauf der wahre Mörder den Protagonisten seine Tat gesteht, beschließen sie, den übrigen Farmbewohnern davon nichts zu sagen und von weiterer Bestrafung abzusehen, weil der Bauernhofbetrieb keinen weiteren Personalausfall verkraften kann…

In Deutschland ist die Serie nicht auf DVD erschienen, aber dank des schwachen Pfunds ist die Box mit allen drei Staffeln gerade recht günstig zu importieren (bei play.com sogar ohne Versandkosten). Ich werde mir in den nächsten Tagen/Wochen noch die zweite und dritte Staffel ansehen und dann noch mal einen Artikel darüber schreiben, ob diese das Niveau und die Spannung der ersten Staffel halten können.
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Vielleicht noch interessant ist die Mini-Serie THE LAST TRAIN und Z FOR ZACHARIAH.
Strahlende Grüße