Bei Recherchen bin ich gerade auf diesen Klassiker gestoßen, der das Imaginäre der (ökologischen) Apokalypse verhandelt. Eine Art Mentalitätsgeschichte der Stadt Los Angeles, die fortwährend von Naturkatastrophen heimgesucht wird.
Mike Davis: Ecology of Fear: Los Angeles and the Imagination of Disaster (Vintage Books 1999) [Deutsche Übersetzung: Ökologie der Angst. Leben mit der Katastrophe - interessant, wie das Imaginäre im Titel der Übersetzung unter den Tisch fällt ...]

Da muss man imho gar nicht Lacan bemühen. Dem Deutschen fehlt die Vorstellungskraft zum Weltuntergang vielleicht entweder, weil er sie angesichts seiner Weltkriege nicht mehr hat oder weil dieser immer schon real für ihn ist, was sich in der Neubetitelung “Leben mit der Katastrophe” ja schon andeutet.
Wow, diese Übersetzungssache ist ja genial, so richtig plakativ. Ich tippe auf Stefans zweite Anmerkung, obwohl man auch mitbedenken müsste, dass die Übersetzung wohl ein paar Jahre später kam, und da wohl 2001 dazwischen liegt, was auch zu einer erneuten Alltäglichkeit des Katastrophischen führte.
Seit heute halte ich das Buch in Händen (es werden gerade günstig ein paar Restexemplare verscherbelt – zugreifen!
); die US-Ausgabe ist von 1998, die deutsche Übersetzung von 1999. Das Buch ist also sehr rasch übersetzt worden. Es finden sich sowohl Kapitel, die das Imaginäre bedienen als auch solche, die die tatsächlichen Katastrophen thematisieren – insofern ist der deutsche Titel nicht per se unangemessen. Für unsere Belange am Interessantesten ist sind wohl die beiden das Buch beschließenden Kapitel: “Die fiktionale Zerstörung von Los Angeles” (fast 100 Seiten) und “Jenseits von ‘Blade Runner’”.
Über die letzten Jahre hat Mike Davis in der ‘Zeit’ aktuelle Katastrophenszenarien publizistisch begeleitet: http://www.zeit.de/autoren/D/Mike_Davis/index.xml
Ah, das ging dann wirklich rasch, hast du jetzt die deutsche oder englische Version?
Die deutsche Fassung; Hardcover im Schutzumschlag im Verlag Antje Kunstmann erschienen.
Toller Tipp, da werde ich wohl zugreifen.
Danke für den Tip zu Davis, Kasi! Da sind ja wirklich ein paar Text-Perlen dabei.
Wusste gar nicht, dass der soviel in der “Zeit” publiziert hat.