Archiv vom Januar, 2010
Die Postapo-Tudors
Was passiert, wenn ein Virus namens SUPER-SARS die Welt entvölkert und nur ein “Familienstamm” überlebt?
Michael Greens Debüt Stunde Null erzählt diese Geschichte auf dem Hintergrund einer post-kolonialen Odyssee, die die Familienmitglieder von Neuseeland nach England führt, wo die lieben Verwandten zwar eine neue Gesellschaft aufgebaut haben – aber was für eine, ist ziemlich verwunderlich. Der Roman verlässt nach einem Drittel das moderne Terrain und erzählt eine Art Tudor-Geschichte, die recht seltsam anmutet – aber wer auf (unamerikanisch) Absurdes steht, wird hier vielleicht glücklich.
No commentsWissen zum Kalten Krieg
Der neue Radiosender “Deutschlandradio Wissen” hat eine Rubrik mit dem Titel “Hörsaal“, in der unter anderem zwei Beiträge zum Thema “Kernenergie” und “Hörsäle im Kalten Krieg” aus den 1950er Jahren nachzuhören sind.
Call for Papers – NECS
Leider ein wenig kurzfristig, aber thematisch vielleicht zu beobachen.
http://www.necs-initiative.org/
No commentsStrange Worlds
… von Matthew Albanese, und ein bisschen postapo, wie ich meine.
The Brain in the Shelter
US-amerikanische Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden*, wo die Representation des Wortes “Shelter” im menschlichen Gehirn situiert ist. Vielleicht nicht unwichtig, wenn man mal einen sucht, weil man ihn braucht.
Mehr: Telepolis
* Ein Texteinstieg, der jeden Journalisten adelt!
No commentsDas Leben ohne Handwerk? Die Apokalypse
Der zurückgezogene Werbespot des BDI hat auch jenseits des Haiti-Diskurses verstörende Qualitäten:
Wer da nicht an “Die perfekte Welle” von 2004 denkt …
No commentsI’m your hate when you want love…
David Moody hat sich mittlerweile vom Eigenverlagsautoren zum Drehbuchvorlagenlieferer für del Toro geliefert – und letzteren dabei literarisch erstaunlicherweise locker überholt (Die Saat kann man wirklich nicht empfehlen). Mit Im Wahn legt er nach der Herbst-Reihe einen höchst spannenden, nur noch selten seicht wirkenden Roman vor, der ein paar Dinge neu und richtig gut macht.
Die Story dreht sich um einen Familienvater aus Leeds/UK, der im Familien- und Berufsstress unterzugehen glaubt – bis seltsame Dinge in der Stadt passieren: Personen werden ohne Grund aggressiv und töten Mitmenschen. Was klassisch klingt, ist nicht klassisch erzählt, da nach und nach die Sicht der “Hasser” dargestellt bzw. aus deren Sicht erzählt wird (no spoilers, ok). Damit greift Moody nicht nur geschickt die Sichtweise der ansonsten “anderen Seite” auf (und stellt sich damit in eine Reihe mit “I am Legend”), sondern verwischt die Grenzen: In einer Großstadt voller Hass (der Protagonist arbeitet in einer Beschwerdestelle des Ordnungsamtes…) und Verrückten, ist es nicht so schnell klar, wer ein “Hasser” ist und wer nicht. Sehr spannend, sehr zu empfehlen, der hat sich entwickelt!
1 commentDas siebte Siegel
Heute konnte ich meine Importversion von Darksiders in Empfang nehmen, das ich schon einmal in einer Video Game Preview vorgestellt hatte. Ihr könnt einen der apokalyptischen Reiter – Krieg – spielen, der stark an eine WoW-mäßige Version von Kratos (“God of War”) erinnert. Das Ganze spielt zumindest zu Beginn in einer von Meteoriten vernichteten Großstadt, wobei sich schon im Vorspann die Meteoriten als Diener des Bösen und der Vernichtung entpuppen – das Ganze ist eine wilde Mixtur aus Action-Adventure und einer ganz kleinen Prise Rollenspiel und spielt sich ähnlich wie God of War, nur in einer sehr biblisch-apokalyptisch anmutenden Szenerie mit Dämonen, Zombies usw.
No commentsHomo homini lupus
Aus gegebenem Anlass – dem Start von “The Road” in GB, im Mai dann auch endlich in DE – habe ich heute Wolfzeit ( Frankreich/Austria/Deutschland 2003, Michael Haneke, im Original: Le Temps de Loup) angeschaut und möchte aus Sicht meines kommenden Sammelbandbeitrags zur “Ethik der Straße” (im ersten postapocalypse.de-Sammelband!) noch etwas dazu sagen (auch wenn Stefan natürlich Erst0r war, das soll nicht unerwähnt bleiben – der Tipp, “The Road” und “Wolfzeit” kurzzuschließen, kam auch von ihm).
No comments“Auf Du und Du mit dem jüngsten Tag”
Die britischen Civil Defense-Bemühungen des späten kalten Krieges greift Wenn der Wind weht (UK 1986, Jimmy T. Murakami, basierend auf dem Comic von Raymond Briggs) auf zugleich herzergreifend-idyllische und zugleich realistisch-brutale Weise auf: Der zum größten Teil mit Zeichentricktechnik erstellte Film (insbesondere die Figuren und die idyllischen/Traumsequenzen), aber auch mit Stop-Motion geschossenen Realbildern versehene Film spielt im ländlichen Sussex, wo ein älteres Paar – Jim und Hilda Bloggs – seinen Alltag verlebt.

Als jedoch das Radio eine Atomkriegswarnung ausgibt, beginnt der WWII-erfahrene Jim mit dem Bau eines provisorischen Schutzraums, wobei er einer Broschüre der Regierung (“Überleben leicht gemacht”) bzw. des Landes benutzt. Seine Frau, Hilda, will von Krieg gar nichts wissen und kümmert sich weiter um den Haushalt – beide, kann man sagen, sind äußerst naiv und erwarten allerhöchstens eine Störung ihres normalen Lebens, wie sie es aus dem zweiten Weltkrieg kennen.

Als es tatsächlich zum Atomangriff kommt und auch die ländliche Gegend die Druckwelle zu spüren bekommt (hier wird das anfängliche Bild der ländlichen Idylle mit einer Windmühle mutwillig zerstört und auch die “Wind”-Metapher auf die atomare Druckwelle erweitert), verweilen die beiden alten Leute in ihrem Verschlag und versuchen sich die Zeit u. a. mit dem Lesen weiterer Broschüren (“Auf Du und Du mit dem jüngsten Tag”" und Tagträumen über die Vergangenheit (darunter auch Phantasien Jims, die Deutschen (eine Fehlleistung, wie er gestehen muss), nein, den Russen einzuheizen). Obwohl Jim mit den Broschüren wichtiges Informationsmaterial zur Verfügung hat, begreifen beide in ihrer liebevollen Naivität die Lage nicht bzw. wollen diese nicht begreifen. So erscheint es drollig, dass beide immer noch auf die Zeitung warten, spätestens aber, als es auch auf dem Lande nach “Grillfleisch” zu riechen beginnt und beide an der Strahlenkrankheit erkranken (da sie unvorsichtigerweise das Regenwasser auffangen und trinken), ist dem Zuschauer klar, dass sich die Idylle nicht mehr sprachlich aufrechterhalten lassen kann. Filmisch gewinnen hier die düsteren Realbilder die fast die Oberhand, die die Realität, die Zerstörung nach dem Atomangriff zeigen.

Beide bekommen ernste Symptome, der Wasservorrat ist erschöpft – es bleibt beiden nur noch, wie die Broschüre empfiehlt, die Dokumente zusammenzupacken und sich in die Sicherheit eines Kartoffelsacks zu begeben. Am Ende hört man die beiden aus ihrer selbst eingerichteten und staatlich verordneten Leichenkammer noch ein Gebet sprechen.
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