“Auf Du und Du mit dem jüngsten Tag”

Die britischen Civil Defense-Bemühungen des späten kalten Krieges greift Wenn der Wind weht (UK 1986, Jimmy T. Murakami, basierend auf dem Comic von Raymond Briggs) auf zugleich herzergreifend-idyllische und zugleich realistisch-brutale Weise auf: Der zum größten Teil mit Zeichentricktechnik erstellte Film (insbesondere die Figuren und die idyllischen/Traumsequenzen), aber auch mit Stop-Motion geschossenen Realbildern versehene Film spielt im ländlichen Sussex, wo ein älteres Paar – Jim und Hilda Bloggs – seinen Alltag verlebt.

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Als jedoch das Radio eine Atomkriegswarnung ausgibt, beginnt der WWII-erfahrene Jim mit dem Bau eines provisorischen Schutzraums, wobei er einer Broschüre der Regierung (“Überleben leicht gemacht”)  bzw. des Landes benutzt. Seine Frau, Hilda, will von Krieg gar nichts wissen und kümmert sich weiter um den Haushalt – beide, kann man sagen, sind äußerst naiv und erwarten allerhöchstens eine Störung ihres normalen Lebens, wie sie es aus dem zweiten Weltkrieg kennen.

Wind2

Als es tatsächlich zum Atomangriff kommt und auch die ländliche Gegend die Druckwelle zu spüren bekommt (hier wird das anfängliche Bild der ländlichen Idylle mit einer Windmühle mutwillig zerstört und auch die “Wind”-Metapher auf die atomare Druckwelle erweitert), verweilen die beiden alten Leute in ihrem Verschlag und versuchen sich die Zeit u. a. mit dem Lesen weiterer Broschüren (“Auf Du und Du mit dem jüngsten Tag”" und Tagträumen über die Vergangenheit (darunter auch Phantasien Jims, die Deutschen (eine Fehlleistung, wie er gestehen muss), nein, den Russen einzuheizen). Obwohl Jim mit den Broschüren wichtiges Informationsmaterial zur Verfügung hat, begreifen beide in ihrer liebevollen Naivität die Lage nicht bzw. wollen diese nicht begreifen. So erscheint es drollig, dass beide immer noch auf die Zeitung warten, spätestens aber, als es auch auf dem Lande nach “Grillfleisch” zu riechen beginnt und beide an der Strahlenkrankheit erkranken (da sie unvorsichtigerweise das Regenwasser auffangen und trinken), ist dem Zuschauer klar, dass sich die Idylle nicht mehr sprachlich aufrechterhalten lassen kann. Filmisch gewinnen hier die düsteren Realbilder die fast die Oberhand, die die Realität, die Zerstörung nach dem Atomangriff zeigen.

Wind3

Beide bekommen ernste Symptome, der Wasservorrat ist erschöpft – es bleibt beiden nur noch, wie die Broschüre empfiehlt, die Dokumente zusammenzupacken und sich in die Sicherheit eines Kartoffelsacks zu begeben. Am Ende hört man die beiden aus ihrer selbst eingerichteten und staatlich verordneten Leichenkammer noch ein Gebet sprechen.

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4 Responses to “Auf Du und Du mit dem jüngsten Tag”

  1. Krischn says:

    Der Film ist wirklich großartig. Hab ihn zum ersten Mal vor etwa 20 Jahren gesehen (als Kind) und er hat mich bis heute nicht losgelassen.

    Die Musik ist übrigens von Roger Waters (Pink Floyd), der Titelsong von David Bowie.

  2. (CFH) says:

    Apropos Musik: Wir haben uns bei unserer DVD-Version gewundert, warum wir nicht Bowie zu hören bekamen – Bowie hört man nur im ursprünglichen Vorspann, der auch auf der Disk vorhanden ist.

  3. Pingback: postapocalypse » Gimme Shelter

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