Archiv vom Februar, 2010
Mutation und Regression
“‘Mad Max’ trifft auf ‘Dawn of the Dead’” heißt es auf dem Klappentext des DVD-Covers, und wenn ein Film schon über Vergleiche zu großen Vorbildern beschrieben wird, hat man meist allen Grund misstrauisch zu sein. Umso verwunderter wird man sich vielleicht zeigen, wenn man sich dann den Prolog dieses angeblichen Mad-Max-Zombie-Amalgams ansieht: “Mutant Chronicles” zeichnet eine beeindruckende Dystopie, die sich als Mischung von Gestern, Heute und Morgen zeigt, wie man sie beinahe nur aus ost-asiatischen Genrefilmen kennt.
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No commentsAtomic Angst
Steven Church hat soeben ein Buch vorgelegt, dessen Titel The Day After the Day After die Erwartungen schürt – geht es doch um die fiktionale Verarbeitung seiner Jugend, die von realen Bedrohungen des Kalten Krieges, aber auch medialen Verarbeitungen der Ära geprägt war. Um es mal runterzubrechen: Was denkt ein Kind, das in Kansas wohnt, wenn es in den 1980ern The Day After sieht …
No commentsI can’t get no (Desinfection)
Carriers (USA 2009, Alex Pastior/David Pastior): Ein paar junge Menschen auf einem Road Trip, der Kühler des Daimler verziert mit einem Graffito: “Road Warrior”. Als sie auf eine Straßensperre in Form eines quergestellten Jeeps treffen, ist dem Zuschauer noch nicht klar, was hier passiert, bis die Blicke der vier Protagonisten im Jeep ein Mädchen mit einem blutigen Mundschutz erspähen. Schlagartig wird die Situation erläutert: Es handelt sich um keinen regulären Road Trip, es ist eine Flucht vor einer globalen Seuche – der Jeep wurde vom Vater des infizierten Mädchens platziert, um zu einer vermeintlich rettenden Quarantänestation zu gelangen.
Doch die Regeln der Gruppe sind klar: Es gibt keine Hoffnung, etwas gegen die Seuche zu tun – die Infizierten sind bereits tot. Es entwickelt sich ein teils vorhersehbares Spiel mit verheimlichten Infektionen, Sorge um sich selbst, amoralischen Entscheidungen – das aber zumindest zu Beginn erfrischend streng mit dem Sujet Infektion umgeht: Die mit lustig verzierten Mundschützen versehenen Akteure führen immer große Mengen Desinfektionsmittel mit sich, um sich nicht an Mensch und Material zu infizieren. Nice try, though.
1 commentEine Bibel fürs Regal

In den vergangenen Jahren geht die Welt im Kino mit immer größerem Aufwand unter. Filme wie Roland Emmerichs „2012“ oder demnächst der lang erwartete „The Road“ von John Hillcoat entwerfen Szenarien, in denen die Menschheit zum größten Teil vom Erdboden verschwindet – verbinden damit jedoch immer auch eine moralische oder häufiger sogar religiöse Agenda, nach der diejenigen, die übrig bleiben, „bessere Menschen“ werden sollen, die aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Der Tiefpunkt dieser Entwicklung findet sich in der christofaschistischen Utopie des „Left Behind“-Zyklus, der auch schon einige Filmadaptionen erfahren hat. „The Book of Eli“ von den Hughes-Brothers greift gleich mehrere filmhistorische Traditionen auf, liefert aber gleichzeitig eine beruhigende Entkrampfung des religiösen Backlashs, der in vielen dieser Filme zuletzt angeklungen war … auch wenn es zunächst ganz anders scheint.
mehr: F.LM
No commentsPolish Wastelands
Habe eine nette Mail von einem Herausgeber der polnischen Postaposeite Outpost bekommen, die teilweise auch auf Englisch ist. Ich wurde auf einen englischen und mehrere polnische Postapo-Kalender hingewiesen, sehr drollig.
Cheers to Siekier from Polish Wastelands!
No commentsDie überlebenden Toten
Survival of the Dead (USA 2009, George A. Romero) (PV Hackesche Höfe)
Die Philosophie von Seamus ist es, die Zombies, die auf seiner Insel herum laufen, nicht mehr abzuknallen, sondern sie einzufangen und zu warten, bis ein Heilmittel gegen die Seuche entdeckt wird – oder sie zu resozialisieren. Zu letzterem Zweck kettet er beispielsweise einen Zombie-Postboten an einem Briefkasten an und dieser steckt dann immer wieder denselben Brief in den Briefkasten, nimmt ihn wieder heraus, geht zu seiner Tasche, wieder zurück zu Briefkasten, steckt den Brief wieder hinein usw.
Man kann sich aufgrund der Tatsache, dass “Survival of the Dead” so überaus ideenarm, langweilig und schon 1000 mal dagewesen ist, des Verdachtes nicht erwähren, Romero könnte selbst mittlerweile zu einem Zombie geworden sein; und zwar einem, der, bis ein Heilmittel gefunden ist, gezwungen wird, immer und immer wieder denselben Film zu drehen. Vielleicht liegt hat aber das Sujet das Medium infiziert, sodass seine mittlerweile 42 Jahre alte Idee nicht sterben kann? Zu empfehlen wäre Romero dann, ihr vielleicht mal einen symbolischen Kopfschuss zu verpassen.
Witzig war dann aber doch die reitende Zombie-Frau, weil sie in Erinnerung gerufen hat, dass es einmal Zeiten gab, in denen das Konzept wirklich noch obskure, neue Ideen zutage gefördert hat. Wahrscheinlich wird man einem Zombiefilm-Fan aber kaum von Romeros neuem Film ab- und zu einer Neusichtung von Amando de Ossoris “Reitende Leichen”-Filme zuraten können. Man kann ihn nur darauf hinweisen, dass er sich beim Gang ins Kino selbst in einen von Seamus’ gezähmten Zombies verwandelt, der immer und immer wieder dasselbe tut.
zuerst: SimulationsRaum
Double tap!
In Amerika schon erhältlich, hier müssen wir leider (zumindest auf die deutsche Version) noch ein paar Tage warten – Zombieland (USA 2009, Ruben Fleischer) überzeugt auf voller Linie in der Sparte “Funny Zombie Apocalypse Handling” a la Brooks. Mehr dazu, wenn die deutsche Version hier aufschlägt!
No commentsGimme Shelter
Unglaublich, dass Dottore Höltgen noch nicht darauf hingewiesen hat – die Briten verkaufen momentan recht günstig Bücher zum Thema Bunker im kalten Krieg.
Während Freunde von Wenn der Wind weht Spaß mit Advising the Householder on Protection against Nuclear Attack haben werden – einem Nachdruck des britischen Civil Defence Handbook No. 10 -,
ist Cold War Secret Nuclear Bunkers eher eine nüchterne Bestandsaufnahme britischer Militärbunker während des Kalten Krieges.
Cold War – Building for Nuclear Confrontation 1946-1989 ist sehr techniklastig, aber auch sehr bilder- und illustrationsreich und spannend, zudem in einem schönen großen Format.
Waiting for the End of the World ist schlussendlich das skurrilste und kurzweiligste Buch der vier vorgestellten: Es zeigt private Bunkeranlagen unterschiedlicher Bauart und teilweise erschreckenden Charmes. Must have!
1 commentGod’s End
Und wieder ein Buch, das eine Reihe eröffnet und sich munter aus verschiedenen Sujettöpfen bedient: Reiter der Apokalypse ist der erste Band der God’s End-Reihe von Michael McBride und beschreibt das Herannahen des dritten Weltkrieges.
Neben der realistischen Ebene der militärischen Bedrohung, die tatsächlich wahr wird, gewinnt im Verlauf des Bandes die biblische Dimension immer mehr Gewicht: Die Reiter der Apokalypse suchen die Erde heim, aber anders als gedacht; wer es mag, wenn verschiedene Ebenen eines Diskurses sich überschneiden, sollte hier zugreifen, im Sommer geht es dann auch im Deutschen weiter mit Band 2.
No commentsMediale Ausgrabungen der Präatomarzeit
Eine weitere Runde der Postapocalypse.de-Filmgespräche beschäftigt sich wie lange angekündigt endlich mit Ralph Bakshis Wizards (USA 1977, Ralph Bakshi, dt. Titel: Die Welt in 10 Millionen Jahren).
In einer postatomaren Zukunft, in der die Menschheit ausgelöscht wurde, beleben Fabelwesen die verwüstete Erde neu. In einer Art postatomaren Märchen, das an eine pervertierte Version von Bakshis späterem Lord of the Rings (USA 1978, Ralph Bakshi, dt. Titel: Der Herr der Ringe) erinnert, entsteht auf der einen Seite eine Armee von Mutanten, auf der anderen Seite eine Allianz von vordergründig guten Wesen wie Feen und Elfen. Hintergrund des bilateralen Kampfes von „Gut“ und „Böse“ sind die beiden Zwillinge Avatar und Blackwolf, der erstere ein verschrobener, fauler Zauberer, letzterer der verstoßene Sohn, der nach Macht strebt. Was den Film aus der Masse hebt, ist die Tatsache, dass er das Experiment wagt, Zeichentrick und Realfilm u. a. qua Rotoskopieverfahren zu vermischen. Die verschiedenen und verformten Bildmaterialien, die dabei zum Einsatz kommen, haben dabei auch auf der Handlungsebene eine Funktion: Bilder aus dem zweiten Weltkrieg, Reden Hitlers, faschistische Symbole usw. spielen auf der Seite der „Bösen“ eine große Rolle, werden vor allem auch von ebendiesen als Waffe eingesetzt; d. h. mittels eines alten Filmprojektors werden den Armeen der Fabelwesen Propagandabilder des dritten Reichs vorgespielt, die diese entsetzen und im wörtlichen Sinne entwaffnen. Hier spinnt also der Film die Technologiekritik der Handlung weiter, indem er eine ironische Medienkritik ansetzt. Letztendlich bietet Wizards aber kein einseitiges Gut/Böse-Schema, auf allen Ebenen wird das Gezeigte auf zynische Weise hinterfragt.








