Feb 8
Mediale Ausgrabungen der Präatomarzeit
Eine weitere Runde der Postapocalypse.de-Filmgespräche beschäftigt sich wie lange angekündigt endlich mit Ralph Bakshis Wizards (USA 1977, Ralph Bakshi, dt. Titel: Die Welt in 10 Millionen Jahren).
In einer postatomaren Zukunft, in der die Menschheit ausgelöscht wurde, beleben Fabelwesen die verwüstete Erde neu. In einer Art postatomaren Märchen, das an eine pervertierte Version von Bakshis späterem Lord of the Rings (USA 1978, Ralph Bakshi, dt. Titel: Der Herr der Ringe) erinnert, entsteht auf der einen Seite eine Armee von Mutanten, auf der anderen Seite eine Allianz von vordergründig guten Wesen wie Feen und Elfen. Hintergrund des bilateralen Kampfes von „Gut“ und „Böse“ sind die beiden Zwillinge Avatar und Blackwolf, der erstere ein verschrobener, fauler Zauberer, letzterer der verstoßene Sohn, der nach Macht strebt. Was den Film aus der Masse hebt, ist die Tatsache, dass er das Experiment wagt, Zeichentrick und Realfilm u. a. qua Rotoskopieverfahren zu vermischen. Die verschiedenen und verformten Bildmaterialien, die dabei zum Einsatz kommen, haben dabei auch auf der Handlungsebene eine Funktion: Bilder aus dem zweiten Weltkrieg, Reden Hitlers, faschistische Symbole usw. spielen auf der Seite der „Bösen“ eine große Rolle, werden vor allem auch von ebendiesen als Waffe eingesetzt; d. h. mittels eines alten Filmprojektors werden den Armeen der Fabelwesen Propagandabilder des dritten Reichs vorgespielt, die diese entsetzen und im wörtlichen Sinne entwaffnen. Hier spinnt also der Film die Technologiekritik der Handlung weiter, indem er eine ironische Medienkritik ansetzt. Letztendlich bietet Wizards aber kein einseitiges Gut/Böse-Schema, auf allen Ebenen wird das Gezeigte auf zynische Weise hinterfragt.
Jochen:
Wizards ist auf den ersten Blick ein äußerst eigenwilliger Film. Nichts darin scheint so recht zusammenzupassen, die Engführung von Postapokalypse, Nationalsozialismus und Fantasywelt fügt sich nie so recht zu einem narrativ schlüssigen Ganzen. Im Grunde stellt er aber auch, vielleicht gerade in dieser erratischen Qualität, eine Art Schlüsselfilm für das spätere Werk Bakshis dar, der ja in der Folge mit seiner Tolkien-Adaption sowie mit Fire and Ice noch zwei weitere ambitionierte Arbeiten im Fantasy-Genre vorlegte. Dies ist durchaus als ein Bruch zu sehen, sind doch seine frühen großen Filme von Fritz the Cat bis Coonskin eher als cartoonhaft überzeichnete, kunstvoll verformte Ausdrucksformen eines schmutzigen Sozial- und Milieurealismus zu sehen. Die Fantasiewelten auch der beiden späteren Filme kontextualisiert Bakshi nun bereits in Wizards, um sich fortan frei in ihnen bewegen zu können, denn das als postapokalyptisch eingeführte Szenario von Wizards entspricht im Grunde bis ins Detail der Tolkienwelt. Damit nimmt Bakshi seine Tolkien-Interpretation gewissermaßen vorweg, bevor er sich dann an dessen Hauptwerk selbst abarbeitet, und markiert die naturtümelnde, mittelalteraffine Welt als Fluchtpunkt einer eskapistischen Bewegung aus der als bedrückend empfundenen Gegenwart. Diesen Kontrast zwischen unerträglicher Wirklichkeit (sowie, in Form der Faschismusbezüge, historischer Last) und harmonisch verklärter Fabelwelt betont Bakshi dann auch in Wizards noch einmal explizit, indem er den Unterschied zwischen Gut und Böse ganz unmittelbar am technischen Fortschritt festmacht. In der Welt der Feen, Zauberer, Zwerge ist jedwede Erscheinungsform von Technik (und somit des Konzeptes „Fortschritt“) seit dem atomaren Holocaust streng verboten, während der böse Zauberer Blackwolf und seine Mutantenarmee – die Erben der Menschheit – Gebrauch von einer extensiven Kriegsmaschinerie machen und sich durch Bilder von Naziaufmärschen und Hitlerreden in ihre exzessive Blutrünstigkeit einschwören. Eine gerade Linie führt also für Bakshi vom technischen Fortschritt zu Sündenfall, Barbarei, Massenmord – Auschwitz wie Atomkrieg erscheinen als Extrem- und Endpunkt der Moderne, nicht als ihr Anderes. Die Fluchtbewegung aus der Realität ist natürlich stets eine resignative, und auch das weiß Bakshi sehr genau: Der Bedrohung des individuellen, persönlichen Friedens kann auch der gute Zauberer Avatar letztlich nur durch den Rückgriff auf die verbotene Technik begegnen, indem er seinen bösen Bruder zum lakonischen Ende schlicht und einfach erschießt. Die sorgsam aufgebaute Trennlinie zwischen Natürlichkeit und technoider Entfremdung reißt er somit wieder ein, was das eigentlich positive Ende einigermaßen dunkel einfärbt, und der eigentliche Keim des Bösen bleibt auch in der zwar verklärten, aber auch als verklärt markierten Sphäre des Ursprünglichen omnipräsent.
Dominik:
Der Zynismus, mit dem Bakshi hier die manichäische Grundkonstruktion von The Lord of the Rings aufgreift und demontiert, ist tatsächlich erstaunlich, besonders wenn man bedenkt, dass im selben Jahr auch George Lucas’ Star Wars in die Kinos kam. Ein – wie mir scheint – zentraler Aspekt von Wizards erschließt sich denn auch besonders deutlich vor dem Hintergrund eines Vergleichs mit Tolkiens Epos: Bei Tolkien wie bei Bakshi geht es zunächst um den ewig währenden Kampf zwischen Gut und Böse, um kriegsentscheidende Geheimwaffen und den Versuch, diese zu zerstören, weil sie nicht zu kontrollieren sind. Doch was bei Tolkien ein letzten Endes völlig austauschbarer „Ring der Macht“ ist, ist bei Bakshi eine 10 Millionen Jahre alte „Traummaschine“, wie es im Film heißt. Auf Seiten der Technologie bzw. des Bösen steht also auch genau der Apparat, den Bakshi selbst zum Erzählen seiner Geschichte benutzt: Als hätte Paul Virilio persönlich am Drehbuch mitgeschrieben, wird der Filmprojektor hier zur ultimativen Überwältigungsmaschine. Die Ausschnitte aus Leni Riefenstahls Parteitagsdokumentation Triumph des Willens, die Blackwolf während einer Schlachtszene an den Himmel projiziert, lähmen die Elfenkrieger und sorgen bei den Mutanten für die Motivation, die ihnen bislang offenbar fehlte.
Dennoch ist Wizards mehr als eine simple Meditation über die Macht der Bilder, mehr auch als eine Bildkritik in Form eines Bildes, wie sie etwa Matrix und ähnliche Filme präsentieren. Bakshis Kampf zwischen Technologie und Magie wird nämlich keineswegs nur zwischen guten Elfen und bösen Mutanten geführt, sondern im übertragenen Sinn auch zwischen dem Realfilm, als technischem Produkt, und dem Animationsfilm, dem schon der Wortbedeutung nach gewissermaßen etwas Magisches anhaftet. Dass der gute Zauberer Avatar seinen bösen Zwillingsbruder am Schluss der Handlung dann doch dadurch beseitigt, dass er eine Waffe – also „böse“ Technologie – einsetzt, ließe sich in diesem Sinne auch als das Dilemma des Animationsfilms verstehen, letztlich doch immer auf dieselbe Apparatur angewiesen zu sein wie der realfilmische Zwilling. Inszeniert wird dieser Konflikt von Real- und Animationsfilm auch in den in psychedelischen Farben gehaltenen Schlachten: Während die Armee der Elfen und Feen im herkömmlichen Stil, also per Cel Animation, animiert wurde, finden sich in Blackwolfs Armee ganze Scharen von sichtbar verfremdeten Realfilmfiguren. Es handelt sich hierbei durchweg um rotoskopierte – also Frame für Frame sozusagen „abgepauste“ – Ausschnitte aus bereits existierenden Kriegsfilmen (vor allem Eisensteins Aleksandr Nevskiy), das unter den gezeichneten Bildern liegende fotografische Bild ist aber stets nur flüchtig übermalt und bleibt so als Spur anwesend.
Christian:
Das ist ein sehr schöner Punkt, an dem ich noch einmal anders abzweigen möchte. Die Diskrepanz zwischen Technik und Natur oder Technik und Magie wird zwar gleich zu Beginn eröffnet, – „Die einzig wahre Technologie ist die Natur selbst“, alles andere sind „Perversionen“ –, jedoch wird das Gut/Böse-Schema selbst pervertiert. Offensichtlich wird dies in der Zotigkeit und Sexualisierung der Feenwelt, der überzogenen Darstellung des Fanatismus der drei Priester, der Trägheit und Altklugheit des „guten Helden“ Avatar, der eigentlich nur ein Schwätzer ist, der einfache Zaubertricks beherrscht, ansonsten aber nur halbnackte Feen anschaut und Zigarren raucht, statt zu handeln und das Böse zu bekämpfen. Hier wird die Abgründigkeit von Moral auf beiden Seiten durchexerziert, u. a. in den Zwischenspielen, die immer wieder Gasmasken tragende (nicht individualisierte) Soldaten Blackwolfs zeigen. Auf beiden Seiten wird deutlich, dass niemand mehr „normal“ oder „einfach gut“/„einfach schlecht“ ist – die durchgedrehten „Priester“ (die eher wie Rabbis erscheinen), deren Religion ebenso verstaubt ist wie das in der Kirche verrottende Coca Cola-Werbeschild, der Roboter, der erst für Blackwolf tötet und später zur „guten“ Truppe stößt (und von ihnen „Frieden“ getauft wird, obwohl er erst nur unter Gewaltandrohung domestiziert wird), die Feen, die bereit zu sein scheinen, die Truppe für ihren eigenen Frieden zu opfern usw. (Frieden ruft noch aus: „Feen schlecht, nicht gut, nicht gut“) – dies sind alles Anzeichen dafür, dass die Pervertierung der Welt alle erfasst hat und letztendlich die Zerstörungskraft ein mächtiger Wert, an dem gemessen wird, geworden ist. Dies wird am Ende deutlich, wenn Avatar in der Hauptstadt Blackwolfs, Scorch, zwar Blümchen herbeizaubern kann („Auch Scorch kann schön sein mit ein paar Blümchen auf dem Balkon“), aber damit nur bestätigt, dass das Gute und Schöne eine oberflächliche Farce geworden ist. Ebenso kann mit „Liebe“ nichts mehr gewonnen werden, weil sie vollkommen sexualisiert wurde – am Ende bleibt es Avatar nur noch übrig, ebenfalls plumpe Gewalt anzuwenden, um seinen Bruder auszuschalten: ausgerechnet mit einer deutschen Luger erschießt er ihn „kaltblütig“.
Judith:
Glasklar verwischen sich in diesem Werk die Grenzen zwischen Gut und Böse, auch gefällt mir Dominiks Idee vom Dilemma des Animationsfilms, das sich in den zwei Polen Technik und Magie widerspiegelt (der Realismus war übrigens einem Budgetmangel gestundet). Doch mit dem Fall dieser Grenzlinien ist für mich noch nicht alles total pervertiert, das Ende für mich weniger negativ eingefärbt. Vielmehr geht es meiner Ansicht nach darum, die bis dahin gültigen Schablonen von Gut und Böse noch einmal zu überdenken. Denn wer sagt denn, dass es nicht möglich sein sollte, aus dem bisherigen Wertekanon ausgeklammerte Verhaltensweisen und Ansätze zu integrieren? Ich denke hier gerade an die Dekonstruktion einer romantischen Liebe oder die Bereitschaft – ich formuliere das bewusst positiv – in Ausnahmefällen auf ansonsten unmoralische Handlungsweisen zurückzugreifen. Nicht von ungefähr wird man bei dieser Fragestellung an die Problematik erinnert, ob es moralisch vertretbar wäre, eine/n Massenmörder/in zwecks Verhinderung seiner/ihrer Taten zu töten. Avatar, der in seiner oberflächlich harmlosen Zeichnung wie Peter Falk daherkommt (und auch mit ihm verglichen wurde, z. B. vom Animationshistoriker Jerry Beck), wendet gegen Ende einen moralisch nicht einwandfreien Trick an und rettet somit mit einfachen Mitteln die Lage (oder die Welt). Gerade diese Macht in disguise ist das Columbo-hafte, das schließlich den Mord gegen Ende so kaltblütig erscheinen lässt. Klar, das ist mehr als nur ein Trick à la Falk, sondern die im Kontext zu sehende erwähnte plumpe Gewalt ist gegen Ende schlichtweg notwendig geworden.
Es zeigt sich aber auch, dass langfristige Dämonisierung einer Sache letztlich auf einen selbst zurückfallen kann. Die konstante Dämonisierung der Technik und damit die Abwehr des Fortschritts ist das eigentliche Problem, denn das Technische ist nicht per se dämonisch. Es ist vielmehr neutral, und kann – in Kombination mit dem Menschlichen – moralisch akzentuiert werden. Ich würde daher die eigentliche Kritik von Bakshi im seelenlosen Einsatz der Technik und der zerstörerischen Kraft der Propaganda (Blackwolfs geheimer Waffe) sehen, die, wenn sie greift, unter dem Deckmantel der Emotion eine moralische Neutralität zur Folge hat, der die Neutralität des Maschinenhaften natürlich nahe steht. Historisch könnte man hierin auch eine moralische Neutralität der 70er Jahre orten.
Dass auch das starre Festhalten an der antitechnoiden Einstellung mehr unreflektiertes Prinzip als tatsächliche Überzeugung sein könnte, wird in der Zeichenhaftigkeit der „guten“ Seite leicht angedeutet (z. B. trägt Avatar einen grünen Stern).
Frieden kann als der Roboter, der gegen seine Programmierung rebelliert und dem Avatar von Anfang an vertraut, als eine großartige Metapher für einen Widerstandskämpfer gesehen werden. Beeindruckend ist Bakshis Darstellung eines Zeitalters, in dem der Faschismus Aufschwung erhält, der aber auch zurückgedrängt wird, was insgesamt eine Anspielung auf die Gründung des israelischen Staates und die heimatsuchenden Juden sein kann.
Ich möchte anschließend die Frage in den Raum werfen, ob ihr in Wizards einen Film sehen würdet, der für Kinder geeignet ist?
Jochen:
Auf diese Frage hin muss ich wohl den Filmkritiker in mir einmal zu Wort kommen lassen und dessen Ratlosigkeit Ausdruck verleihen. Letztlich scheint es mir nämlich ganz und gar unklar, an wen sich Wizards überhaupt wendet – für Kinder scheint er mir eindeutig zu finster, zu verrätselt, und nicht zuletzt auch zu deutlich sexualisiert. Den älteren Zuschauer wiederum werden die stark regressiven, naiven (und in ihrer Naivität offen ausgestellten) Tendenzen, die immer wieder mit den erwachseneren Inhalten zusammenprallen, einigermaßen irritieren. Was also den Film für den analytischen Zugriff so interessant macht – die merkwürdige Idiosynkrasie von Bakshis Stil und Erzählweise –, das lässt ihn für ein potenzielles Publikum wohl eher zu hermetisch werden.
Ein interessantes Moment ist auf jeden Fall das von Judith beobachtete Fluidewerden der Grenzen zwischen Ideologie und Pragmatismus, und darüber hinaus eines, das vielleicht auch die Struktur des Films ein wenig erhellen kann. Analog zur vielleicht nur noch pro forma aufrechterhaltenen technikfeindlichen Ideologie steht hier ja nicht nur die Flexibilität der Moral der Protagonisten, sondern auch die der filmischen Form. Ebenso wie Avatar an prägnanter Stelle die Grenze zum eigentlich verbotenen Technikgebrauch überschreitet (und damit im Grunde den gesamten Film in letzter Minute noch einmal in ein neues Licht rückt), überschreitet Wizards ständig Grenzen: zwischen Animation und Realfilm (und der „bastardisierten“ Form von beidem, der Rotoskopie), zwischen Düsternis und exaltierter Albernheit, zwischen kindlichen und sehr avancierten Darstellungsformen. In diesem formalen Eklektizismus tritt er dann in ein äußerst komplexes und auch ambivalentes Verhältnis zu den Konflikten, die er verhandelt.
Christian:
Die Frage, ob der Film für Kinder geeignet ist, finde ich sehr schön, da ich in diesem Punkt zwiegespalten bin. Ich selber habe den Film mit ca. 12 Jahren gesehen und war vollauf begeistert, da die Story und ihre ironischen Züge mir durchaus zugänglich waren – gefühlte 10 Millionen Jahre später fand ich den Humor des Films wesentlich weniger ansprechend, es scheint mir fast so, dass das größere Verständnis der technischen und ideologischen Implikationen einen Großteil der Faszination zerstört.
Andererseits ist es natürlich am Sujet und den deutlichen intertextuellen Anspielungen gemessen kein Film für Kinder und Jugendliche – auch wenn übertriebene Darstellung, Überzogenheit, Genrebrüche und unangemessene Darstellung durchaus Stilmittel sind, die diese Zielgruppe bis zu einem gewissen Punkt verstehen kann. Die Abgründigkeit von „Moral“ und Beweggründen, die Dekadenz dieser postatomaren Kultur und die Pervertierung des Althergebrachten (beispielsweise in der Darstellung der der verrückten Rabbis, die in einer Kirche vor einem alten Coca Cola-Schild beten) zeigen überdeutlich eine auch auf ihre Zeit bezogene Gesellschaftskritik, die eine Sexualisierung und Pervertierung von Religion, Kultur und Vernunft (im Gewand alter Männer) anmahnt und die Folgen der Weltabgewandtheit und Unverantwortlichkeit („Wir warten ab“) aufzeigt.
Judith:
Ich habe ja gehofft, dass jemand etwas über ein kindliches Rezeptionserlebnis berichten kann. In der Tat denke ich, dass der Film für Kinder ab ca. 12 Jahren durchaus geeignet ist, auch wenn er sich sicherlich nicht explizit an diese Zielgruppe wendet. Wie auch im Fantasy-Genre allgemein spricht der Film beide Perspektiven (die von Kindern und Jugendlichen oder Erwachsenen) durchaus an, obwohl meist eine der beiden Gruppen vorrangig angesprochen wird. Das macht auch dahingehend Sinn, dass trotz der Verwischung von moralischen und ideologischen Grenzen die Unterschiede zwischen den beiden Seiten (bzw. die Einteilung der Welt in zwei Völker allgemein) nach wie vor überbetont sind (und sein müssen, um die Spaltung der Welt bzw. einen Kampf überhaupt nacherzählen zu können). Dass dieser Kampf trotz allem noch gewonnen werden kann, ist ja gleichzeitig nicht zu übersehen und positiv zu bewerten. Und durch die differenziertere Ausgestaltung der Charaktere, die beständig zu überraschen wissen, widersetzt sich der Film gewissermaßen auch den Pulp-Vorwürfen, die mit einer zu starken Überbetonung der guten und schlechten Seiten oft einhergehen.
Letztlich ist Wizards für mich ein Werk, das je nach persönlichem Wissenstand und Blickwinkel sehr unterschiedliche Lesarten und Eindrücke heraufbeschwört – Christian hat das mit dem Vergleich seiner zwei Rezeptionsweisen ja aufgeworfen. Diasporische und faschistische Lesarten liegen hier neben Analyseaspekten der Postmoderne oder (Post)Apokalypse. Schön ist, dass in Wizards – da sind wir uns in unseren Betrachtungen scheinbar einig – nichts einfach nur schwarzweiß ist. Ein Befund, der ebenso für Fantasy an sich gelten kann, wo das Böse seinen Platz bzw. seine klare Funktion im Hinblick auf das positive Gesamtkonzept hat.
Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich den Film für außerordentlich aktuell, doch gleichzeitig für zeitlos halte: Die Gedanken und Fragen, die er aufwirft, sind – gerade im Hinblick auf die Verhandlung von moralischen Konzepten und Ideologiebrüche der Gegenwart – von bleibender Relevanz.
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