Autor-Archiv
Nuclear Shopping
Wer den Kalten Krieg zum Anfassen mag, kann sich im Shop des National Museum of Nuclear Science and History Devotionalien bestellen – darunter begehrte T-Shirts, Schnapsgläser, Geigerzähler und auch jährliche Führungen durch die Trinity Test Site.
No commentshibakusha
Bei C. H. Beck Wissen ist soeben Florian Coulmas feines und prägnantes Werk Hiroshima – Geschichte und Nachgeschichte erschienen. Auf ca. 120 Seiten erfährt man vor allem viel über die verschiedenen kulturellen Wahrnehmungsweisen, die sich bis heute durchgesetzt haben. Immer wieder referiert der Autor dabei nicht nur auf Geschichte und Politik, sondern auch auf kulturelle Verarbeitungen des Themas und schulische Verarbeitung und Erinnerungskultur. Lesen!
No commentsAtomic Angst
Steven Church hat soeben ein Buch vorgelegt, dessen Titel The Day After the Day After die Erwartungen schürt – geht es doch um die fiktionale Verarbeitung seiner Jugend, die von realen Bedrohungen des Kalten Krieges, aber auch medialen Verarbeitungen der Ära geprägt war. Um es mal runterzubrechen: Was denkt ein Kind, das in Kansas wohnt, wenn es in den 1980ern The Day After sieht …
No commentsI can’t get no (Desinfection)
Carriers (USA 2009, Alex Pastior/David Pastior): Ein paar junge Menschen auf einem Road Trip, der Kühler des Daimler verziert mit einem Graffito: “Road Warrior”. Als sie auf eine Straßensperre in Form eines quergestellten Jeeps treffen, ist dem Zuschauer noch nicht klar, was hier passiert, bis die Blicke der vier Protagonisten im Jeep ein Mädchen mit einem blutigen Mundschutz erspähen. Schlagartig wird die Situation erläutert: Es handelt sich um keinen regulären Road Trip, es ist eine Flucht vor einer globalen Seuche – der Jeep wurde vom Vater des infizierten Mädchens platziert, um zu einer vermeintlich rettenden Quarantänestation zu gelangen.
Doch die Regeln der Gruppe sind klar: Es gibt keine Hoffnung, etwas gegen die Seuche zu tun – die Infizierten sind bereits tot. Es entwickelt sich ein teils vorhersehbares Spiel mit verheimlichten Infektionen, Sorge um sich selbst, amoralischen Entscheidungen – das aber zumindest zu Beginn erfrischend streng mit dem Sujet Infektion umgeht: Die mit lustig verzierten Mundschützen versehenen Akteure führen immer große Mengen Desinfektionsmittel mit sich, um sich nicht an Mensch und Material zu infizieren. Nice try, though.
1 commentPolish Wastelands
Habe eine nette Mail von einem Herausgeber der polnischen Postaposeite Outpost bekommen, die teilweise auch auf Englisch ist. Ich wurde auf einen englischen und mehrere polnische Postapo-Kalender hingewiesen, sehr drollig.
Cheers to Siekier from Polish Wastelands!
No commentsDouble tap!
In Amerika schon erhältlich, hier müssen wir leider (zumindest auf die deutsche Version) noch ein paar Tage warten – Zombieland (USA 2009, Ruben Fleischer) überzeugt auf voller Linie in der Sparte “Funny Zombie Apocalypse Handling” a la Brooks. Mehr dazu, wenn die deutsche Version hier aufschlägt!
No commentsGimme Shelter
Unglaublich, dass Dottore Höltgen noch nicht darauf hingewiesen hat – die Briten verkaufen momentan recht günstig Bücher zum Thema Bunker im kalten Krieg.
Während Freunde von Wenn der Wind weht Spaß mit Advising the Householder on Protection against Nuclear Attack haben werden – einem Nachdruck des britischen Civil Defence Handbook No. 10 -,
ist Cold War Secret Nuclear Bunkers eher eine nüchterne Bestandsaufnahme britischer Militärbunker während des Kalten Krieges.
Cold War – Building for Nuclear Confrontation 1946-1989 ist sehr techniklastig, aber auch sehr bilder- und illustrationsreich und spannend, zudem in einem schönen großen Format.
Waiting for the End of the World ist schlussendlich das skurrilste und kurzweiligste Buch der vier vorgestellten: Es zeigt private Bunkeranlagen unterschiedlicher Bauart und teilweise erschreckenden Charmes. Must have!
1 commentGod’s End
Und wieder ein Buch, das eine Reihe eröffnet und sich munter aus verschiedenen Sujettöpfen bedient: Reiter der Apokalypse ist der erste Band der God’s End-Reihe von Michael McBride und beschreibt das Herannahen des dritten Weltkrieges.
Neben der realistischen Ebene der militärischen Bedrohung, die tatsächlich wahr wird, gewinnt im Verlauf des Bandes die biblische Dimension immer mehr Gewicht: Die Reiter der Apokalypse suchen die Erde heim, aber anders als gedacht; wer es mag, wenn verschiedene Ebenen eines Diskurses sich überschneiden, sollte hier zugreifen, im Sommer geht es dann auch im Deutschen weiter mit Band 2.
No commentsMediale Ausgrabungen der Präatomarzeit
Eine weitere Runde der Postapocalypse.de-Filmgespräche beschäftigt sich wie lange angekündigt endlich mit Ralph Bakshis Wizards (USA 1977, Ralph Bakshi, dt. Titel: Die Welt in 10 Millionen Jahren).
In einer postatomaren Zukunft, in der die Menschheit ausgelöscht wurde, beleben Fabelwesen die verwüstete Erde neu. In einer Art postatomaren Märchen, das an eine pervertierte Version von Bakshis späterem Lord of the Rings (USA 1978, Ralph Bakshi, dt. Titel: Der Herr der Ringe) erinnert, entsteht auf der einen Seite eine Armee von Mutanten, auf der anderen Seite eine Allianz von vordergründig guten Wesen wie Feen und Elfen. Hintergrund des bilateralen Kampfes von „Gut“ und „Böse“ sind die beiden Zwillinge Avatar und Blackwolf, der erstere ein verschrobener, fauler Zauberer, letzterer der verstoßene Sohn, der nach Macht strebt. Was den Film aus der Masse hebt, ist die Tatsache, dass er das Experiment wagt, Zeichentrick und Realfilm u. a. qua Rotoskopieverfahren zu vermischen. Die verschiedenen und verformten Bildmaterialien, die dabei zum Einsatz kommen, haben dabei auch auf der Handlungsebene eine Funktion: Bilder aus dem zweiten Weltkrieg, Reden Hitlers, faschistische Symbole usw. spielen auf der Seite der „Bösen“ eine große Rolle, werden vor allem auch von ebendiesen als Waffe eingesetzt; d. h. mittels eines alten Filmprojektors werden den Armeen der Fabelwesen Propagandabilder des dritten Reichs vorgespielt, die diese entsetzen und im wörtlichen Sinne entwaffnen. Hier spinnt also der Film die Technologiekritik der Handlung weiter, indem er eine ironische Medienkritik ansetzt. Letztendlich bietet Wizards aber kein einseitiges Gut/Böse-Schema, auf allen Ebenen wird das Gezeigte auf zynische Weise hinterfragt.
Die Postapo-Tudors
Was passiert, wenn ein Virus namens SUPER-SARS die Welt entvölkert und nur ein “Familienstamm” überlebt?
Michael Greens Debüt Stunde Null erzählt diese Geschichte auf dem Hintergrund einer post-kolonialen Odyssee, die die Familienmitglieder von Neuseeland nach England führt, wo die lieben Verwandten zwar eine neue Gesellschaft aufgebaut haben – aber was für eine, ist ziemlich verwunderlich. Der Roman verlässt nach einem Drittel das moderne Terrain und erzählt eine Art Tudor-Geschichte, die recht seltsam anmutet – aber wer auf (unamerikanisch) Absurdes steht, wird hier vielleicht glücklich.
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