Archiv der Kategorie 'Fernsehserien'
Ground Zero Liverpool Street
Im TV-Film Dirty War (UK/USA 2004, Daniel Percival) wird London zum Ziel einer schmutzigen Bombe – zur Thematik siehe auch unser vergangenes Filmgespräch zu Right at your door.
Der für HBO-Verhältnisse doch leider nicht perfekte Film beginnt mit einem “Emergency Services Drill” und einer Ministerin, die zwischen tatsächlicher Wappnung vor dem Ernstfall und möglichst behutsamem Umgang mit der Öffentlichkeit wählen muss – zuviel Aufhebens um mögliche Gefahren verringert die “gefühlte Sicherheit”, zuwenig bedeutet aber zugleich zuwenig Schutz für den Ernstfall.
Letzteres passiert im Film: Eine Terrorzelle aus dem nahen Osten (Parallelen zu 9/11 sind erkennbar und beabsichtigt) schafft es tatsächlich, eine Bombe in der Innenstadt Londons detonieren zu lassen – und damit nicht nur die Innenstadt weiträumig zu kontaminieren, sondern auch die Schutzmechanismen der Stadt bloßzulegen: Erst nach der ersten Bombe haben die Ermittler die Chance, weitere Bomben in der Stadt zu ermittlen und auszuschalten – nämlich per engagierter Ermittlung und natürlich per Surveillance-Kameras, die überall in der Stadt verteilt sind.
Gleichzeitig versucht die recht tapfer dargestellte Feuerwehr Londons, der ungewohnten Lage Herr zu werden, ist jedoch selber von der Strahlung und der wandernden Strahlenwolke betroffen und eingeschränkt. Letztendlich müssen die Helfer außerhalb der “Decon Line” bleiben, um selber keine körperlichen Schäden zu erleiden, die Opfer und Flüchtenden dürfen nicht heraus, ohne durch einen schleppenden Kontaminationsprozess gehen zu müssen (soweit sie denn noch gehen können).
Leider kein Meilenstein, wird hier vor allem die Arbeit der Sicherheitskräfte auf mittlerem TV-Niveau beleuchtet, wobei das Verhindern der weiteren Attentate durch Surveillance relativ spannend und für das Genre bemerkenswert ist.
No comments…Remain indoors!
DS hat mich auf die schöne BBC Two-Quizrunde hingewiesen, die “after the event” spielt:
No commentsThe stockpile of things… Survivors (BBC, 1975)
Im Rahmen der Recherchen für einen Aufsatz über postapokalyptische Fiktionen aus Großbritannien, an dem Christian und ich gerade gemeinsam arbeiten, habe ich mir in der letzten Woche die erste Staffel von Terry Nations Survivors angeschaut: Nachdem die neuere US-Serie Jericho (siehe Christians Ausführungen dazu) ja ziemlich enttäuschend war, hatte ich keine allzu hohen Erwartungen mehr an eine postapokalyptische Serie, war dann aber doch sehr positiv überrascht.

„Die Welt ist erst untergegangen, wenn die Kartoffeln die Menschen schälen!“
Nachdem ich schon über die TV-Serie Jericho kurz berichtet hatte, kommt nun mein Eindruck der in Deutschland verfügbaren Staffel 1 (Staffel 2 besteht nur noch aus 7 Folgen, danach wurde die Serie eingestellt).
2 commentsPostapocalypse im TV
Fernsehserien erweisen sich immer wieder als gute Seismographen des Zeitgeistes (vgl. dazu etwa: Harald Martenstein, Das hat Folgen. Deutschland und seine Fernsehserien, Leipzig 1996, eine Geistes- und Kulturgeschichte der Bundesrepublik am Leitfaden ihrer Kultserien). Der Umstand, dass im US-amerikanischen und im britischen Fernsehen Serien gestartet sind, die ihre Handlung in ein gemäßigt postapokalyptisches Szenario verlegen, spricht dafür, dass das Thema “Postapokalypse” einfach an der Zeit ist:
Die TV-Serie Jericho (hierzulande von Pro7 ausgestrahlt und unterdessen auf DVD veröffentlicht) erzählt die Geschichte der titelgebenden Kleinstadt nach einem Atomschlag gegen die USA. Zentrale Themen: Politische Reorganisation (die USA zerfallen in mehrere sich autonom gebende Regionen mit je eigenem Präsidenten) und das Allzumenschliche, das sich in dieser Ausnahmesituation wieder Bahn bricht.
Die von der BBC ausgestrahlte Serie Spooks: Code 9 spielt in einem Großbritannien, das unter dem Trauma eines Atomschlags gegen London leidet; im Unterschied zu Jericho nutzt die Serie das Setting aber nur als Hintergrund für relativ banale Mantel- und Degen-Stories im Spionage-Milieu.
1 commentJericho
Die amerikanische TV-Serie Jericho (DVD Season 1) ist kürzlich in den Mittelpunkt meines Interesses gerutscht, da sie das Leben in einer Kleinstadt in Kansas thematisiert, das durch Atombombenangriffe in der Nähe in Unordnung gerät – die Bewohner wissen nicht, woher die Angriffe kamen, wie viele Städte getroffen wurden, sie haben keinen Kontakt zur Außenwelt. Anfangs beschwichtigt der Bürgermeister noch, man wisse nicht, ob es nur einen Unfall in der Nähe von Denver gegeben habe und verbietet einem Sheriff, davon zu reden, man sei “under attack”. Allerdings bringt alsbald ausgerechnet ein Anrufbeantwortertonband die Aufklärung: Ein Junge findet die Aufzeichnung einer letzten Nachricht seiner Eltern, die durch eine offensichtlich weitere Explosion in einer anderen Stadt getötet werden. Nachdem er das Band einigen Schutzsuchenden vorgespielt hat, ist klar, dass die Situation weitreichender ist als zunächst angenommen. Es beginnt der Kampf ums Überleben, um den Erhalt von technischen und sozialen Strukturen. (CFH)
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